Rate, rate, was ist das, es ist kein Fuchs, es ist kein Has’…" Es ist ein kleines Loch, das wissen wir von Anfang an. Nur wo es hingehört, wohin es führt, das sind die großen Fragen in der Geschichte vom kleinen Loch. Isabel Pin hat für ihr neuestes Buch das bekannte Rätselspiel abgewandelt.

Und dann holt sie weit aus: Die Geschichte beginnt auf einem Planeten. Ein Astronaut und sein Hund schauen in einen Krater. Auf dessen Grund, durch alle Buchseiten hindurchgeschnitten, ist es zu sehen: das kleine Loch. Es ist nicht so groß wie ein Vulkan, ist auch nicht das Loch im Eis, das Eskimo, Eisbär und Pinguin gespannt beobachten, nicht ein Erdloch und auch nicht das Loch, das auf dem Zeichenblatt durchradiert wurde. Wir kommen, Seite um Seite, schon deutlich näher, bis ins eigene Zuhause: Der Abfluss der Badewanne, das Loch im Käse, das Schlüsselloch, das Loch in der Hose, all das ist auch nicht gemeint. Wir können das Rätsel nicht lösen, schlagen die letzte Seite auf und sehen, die Lösung liegt ganz nahe.

"In meinen Illustrationen versuche ich, mich ganz auf die Erzählung im Bild und im Text zu konzentrieren. Mir ist das Erzählen wichtiger als das Malen und Zeichnen", sagt die französische Zeichnerin, 1975 in Versailles geboren und heute in Berlin zu Hause. In eigenwilligen Perspektiven, mit Liebe zum Detail sind die Bilder ausgeführt. Figuren und Gegenstände haben viel Platz. Weniges ist abgebildet, dadurch konzentriert sich die Geschichte. Und doch bleibt Raum für kleine bildliche Nebengeschichten, die den vorlesenden Erwachsenen Spaß machen können: Wie kommt es, dass sich Eisbär und Pinguin am Eisloch treffen? Oder: Da steht sie ja, die hochmütige Rose, die der Kleine Prinz beim Abschied von seinem Stern noch fürsorglich mit einer Glashaube abgedeckt hatte.

Isabel Pin hat ein Buch für ganz kleine Kinder erdacht. Eine einfache, kurze Geschichte, ausdrucksstark gestaltet, die oft angesehen und vorgelesen werden kann. Zwei- bis Dreijährige lieben Wiederholungen. Gespannt verfolgen sie die Geschichte bis zur Lösung des Rätsels und freuen sich dann auch daran, dass sie die schon längst kennen. Die Aufmachung in kartonierten Seiten, mit dem Krater, der durch die Seiten geschnitten ist, zeigt sich robust genug, Kindern dieses Alters standzuhalten. Die Geschichte vom kleinen Loch hat das Zeug zum Lieblingsbuch auf dem allerersten Bücherregal. Karl-Heinz Behr

Isabel Pin: Die Geschichte vom kleinen Loch

Bajazzo Verlag, Zürich 2008; 24 S., Pappband, 14,90 € (ab 2 Jahren)