Geboren wurde er am 3. März 1953 in Kamering in Kärnten, als Bauernsohn. "Sepp" nannte ihn der Vater. "Sepp" nannte er ihn auch noch im letzten Telefongespräch, als er dem Sohn verbot, auf seine Beerdigung zu kommen, was der Sohn dann auch nicht gemacht hat. Über das Nicht-zur-Beerdigung-des-Vaters-Kommen hat er ein Buch geschrieben: Roppongi. Requiem für einen Vater. Der Vater war schon das dunkle Zentrum seiner ersten, sprachwildernden Kärntner Romane Menschenkind, Der Ackermann aus Kärnten und Muttersprache. Die barocke Todesschwelgerei, die Qualen des Eros, die Lust am Fleisch und die Vergeblichkeit des Begehrens verfolgen ihn auch in seinen italienischen Romanen Friedhof der bitteren Orangen und (vielleicht sein bester, freiester) Natura morta. In den letzten Jahren zog es Winkler immer wieder nach Indien, wo er sich mit den beiden Kindern und seiner Frau in Varanasi einquartierte, um den Toten beim Verbranntwerden zuzusehen. Sein Roman Domra beschreibt die Himmelfahrt des Fleisches in den Fegefeuern der indischen Einäscherungsstätten. Zusammenfassend darf man sagen: Josef Winkler ist ein katholischer Schriftsteller.

In diesem Herbst erscheint (wie alle genannten Bücher im Suhrkamp Verlag) ein Band mit Prosaminiaturen, Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot.

Josef Winkler lebte in Kamering, in Rom und seit einigen Jahren mit seiner Familie in Klagenfurt. Im vergangenen Jahr wurde ihm der Große Österreichische Staatspreis verliehen. Am 1. November erhält er den wichtigsten deutschsprachigen Literaturpreis: den Georg-Büchner-Preis, vergeben von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.