Ein beliebtes Motiv in ausländischen Medien sind streng religiöse Juden mit einem Handy am Ohr. Am besten vor der Klagemauer-Kulisse. Dieser Hingucker soll wohl suggerieren, dass tiefe Frömmigkeit und drahtlose Kommunikation einander nicht ausschließen. Das ist ungefähr so, als wundere man sich darüber, dass in diesen Haushalten heute mit einer hypermodernen Waschmaschine gewaschen wird. Doch mit der im Hightechbereich so erfinderischen – und im Übrigen überwiegend säkularen – Gesellschaft hat das alles herzlich wenig zu tun. Richtig ist, dass die neuesten Generationen der tragbaren Telefone durchaus ein Problem für Strenggläubige darstellen. Die ultraorthodoxe Gemeinde in Mea Shearim hat den MP4 zum "unreinen Apparat" erklärt, weil darauf ja auch verbotene Filme gesehen werden könnten. Dafür haben die ebenfalls einst verpönten MP3-Geräte, mit denen sich allein Ton aufnehmen lässt, den Durchbruch geschafft. Der Besitz ist sogar zu einem Muss geworden. Vor dem kleinen Laden in Mea Shearim, wo man mittlerweile Thora-Vorlesungen gegen einen Aufpreis herunterladen kann, stehen nun die frommen Männer Schlange. Dazu zirkuliert ein – erlaubter – Videoclip im Internet: Ein ultraorthodoxer Rabbiner schickt sich zu einem Vortrag an. Schnell stapeln sich neben seinem Mikrofon die MP3-Geräte. Als der Rabbiner die Augen zum Publikum aufrichtet, merkt er, dass der Saal leer ist. Daraufhin nimmt er ungerührt sein eigenes MP3 aus der Tasche, drückt auf "play" und geht.

Gay Gordons ist ein beliebter schottischer Volkstanz. Er geht auf die Gordon Highlanders zurück, ein sehr maskulines Regiment, das mit besonderem Stolz auf eine Schlacht 1897 in dem afghanischen Bergland zurückblickt, dort, wo heute Osama bin Laden vermutet wird. Der Dudelsackspieler der Einheit spielte mit durchschossenen Beinen auf dem Hintern sitzend sein Instrument, bis der Sieg errungen war. Das Regiment wurde 1994 aufgelöst. Um die Zeit begann der Bedeutungswandel des Wortes gay. Zuvor bedeutete es draufgängerisch, fröhlich, bunt und nur umgangssprachlich auch schon mal schwul. Heute steht gay für schwul, Punkt. Die Schwulenlobby wollte das so, sie hat das Wort in einem sprachlichen Putsch annektiert. Wer gay sagt und fröhlich meint, wird heute kaum mehr verstanden.

Nun vereinnahmten Londoner Gays auch die volkstümliche Tradition. Mitglieder des Schwulenclubs Gay Gordons treffen sich zweimal in der Woche zu Tanzstunden im trendigen Stadtteil Islington. Sie tragen mit Vorliebe Kilts. Tanzlehrer John Taylor, steht in einer Aufforderung zum Mitmachen, ermutige erfahrene Teilnehmer, Neulinge unter ihre Fittiche zu nehmen. Nach jedem Tanz werden Partner getauscht. Besonders wichtig: "Schuhe mit weichen Sohlen und Wasser mitbringen!" Mit schwulen Tänzern könnte sich ein Gay Gordon von altem Schrot und Korn wahrscheinlich noch abfinden. Aber mit weichen Sohlen und Wasser anstatt mit harthackigen Brogues und Whisky? Das geht entschieden zu weit.