Mit Bestürzung habe ich gelesen, dass sich leider auch die ZEIT nicht dem anekdotischen, augenzwinkernden Berichterstattungsstil anlässlich Jörg Haiders Tod entzieht. Abgesehen davon, dass ich überrascht bin, dass dieser rechtspopulistische Provinzpolitiker es auf Ihre Titelseite der Österreich-Ausgabe schafft, finde ich den Titel des Beitrags höchst problematisch: Der Bösewicht, den wir vermissen! Das kann man über einen beliebten Krimidarsteller schreiben, aber nicht über einen Politiker, der erstens sehr viel menschliches Leid verschuldet hat, zweitens chronisch in seiner Bedeutung überschätzt wurde und den "wir" – wer immer das ist – sicher nicht vermissen werden.

Michael von Rainer-Mente, Wien

Er, der noch am letzten Tag dem Nachbarn Slowenien in der Ortstafelfrage "Zündeln" vorwarf und nicht nur in dieser Causa selbst, unter Missachtung der Urteile des Verfassungsgerichtshofes, permanent zündelte und Brände legte; der von "Straflagern" für KZ-Häftlinge redete und Asylansuchende vorbeugend in "Sonderlager" verfrachtete; der die SS-Veteranen lobte und selbst auf diese Republik vereidigt war; der zuletzt in der 70er-Geschwindigkeitszone überholte und dann, mit 135 Kilometern je Stunde, kurz danach – im Stadtgebiet – eine 50er-Beschränkungstafel niedermähte, ungeachtet einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer; er, der ganze Bücher füllte mit gewichtigen Abwahlkriterien und doch immer wieder aufstand: Dies war seine letzte – selbstzerstörerische – Grenzüberschreitung.

Jürgen Hirsch, Wien