Christof Siemes ruft Reich-Ranickis Schelte hinterher: Blödsinn! Und sein Zuruf an das deutsche Fernsehen: Weiter so! Denn die Leute wollen es. Sie stimmen mit der Fernbedienung ab, die pure Demokratie. Jedoch, da unterliegt Siemes einem Denkfehler. Es geht letztlich um Kultur. Über Kulturgüter entscheidet nicht die Mehrheitsmeinung einer Wählermasse. Denn da bliebe nicht viel übrig, kein Museum, kein Sinfonieorchester, keine Bibliothek, ja vermutlich nicht einmal die ZEIT. So daneben, wie Siemes’ ganze Argumentation ist, so endet sie auch: Reich-Ranicki habe doch "nichts anderes als Dieter Bohlen gemacht" und sich damit "den Preis, den er nicht haben will, redlich verdient". Das aber war nicht die Frage. Ich bin kein Reich-Ranicki-Fan. Aber jetzt, vor so viel Zivilcourage – Hut ab!

Dr. Dieter Greuel, Baden-Baden

Als langjährige Filmschaffende kann ich leider Herrn Reich-Ranickis Eindruck nur bestätigen und bin ihm dankbar, dass er die Diskussion über die Qualität des Fernsehens eröffnet hat. Denn es geht bei den öffentlichen wie bei den privaten Sendern tatsächlich fast nur noch um Einschaltquoten. Wer die besten erzielt, zieht die Gunst der Werbeindustrie auf sich. Was wir vom Film boshaft "Werbefüllblöcke" nennen: Das sind Serien und Sendungen, die vor allem darauf ausgerichtet sind, das von der Werbewirtschaft gewünschte Publikum für ihre Produkte zu erreichen. Inhalte sind eher nebensächlich.

Bei den privaten Sendern mag das Ringen um die Gunst der Werbewirtschaft gerechtfertigt sein, aber beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen darf der Zuschauer mehr erwarten. Es sollte seinem Bildungsauftrag nachkommen und die Gesellschaft durch Anregungen begleiten, fördern und fordern.

Ein weiteres Problem ist, dass immer mehr Filme produziert werden, die dem Eskapismus vor den alltäglichen Problemen der Welt dienen. Dagegen ist auch erst einmal nichts einzuwenden, doch die Häufigkeit hat derart zugenommen, dass die Sender sich den Vorwurf, Fernsehen sei "Opium fürs Volk", durchaus gefallen lassen müssen. Dass dies den Mächtigen in den Kram passt, ist auch klar. Wenn Arbeitslose nur noch vor der Glotze hängen, dann gehen sie wenigstens nicht auf die Barrikaden. Hurra, der soziale Friede bleibt gewahrt!

Suzanne Pradel, Berlin

Wenn es noch an einem Beweis dafür gefehlt hätte, dass wir auf dem Weg in eine Rentnergesellschaft sind: nicht ein Kind, sondern ein 88-Jähriger ruft: "Der Kaiser ist ja nackt!" So mancher Journalist äußert jetzt sein Mitleid mit dem armen Zuschauer, der sich diesen Müll anschauen und dafür auch noch Gebühren zahlen muss. Muss? Bei Wahlen höre ich oft, wir wären ja nur Stimmvieh – seltsam, nie habe ich vom Quotenvieh reden hören. Zumal es da einen wesentlichen Unterschied gibt: Eine Regierung müssen wir haben, aber wer zwingt uns dazu fernzusehen? Wir schimpfen auf die Sender, die nur auf die Zuschauerquote schauen, doch die Quote, das sind wir! Solange wir uns mit dem Niveau von "Goldhamster sucht Frau" und "Deutschland sucht den Superpöbler" zufriedengeben, indem wir es uns ansehen, glaube doch bitte niemand, es werde sich etwas ändern. Leute, wir haben kein Staatsfernsehen, wir haben das Programm, das wir verdienen.