Das Wort Sicherheit müssen wir aus unserem Wortschatz streichen. Die gleiche Gier, Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit, die die Finanzkrise hervorgerufen hat, dominieren unser politisches und wirtschaftliches System, das dabei ist, die Erde, die Schöpfung und die Zukunft der Menschheit zu ruinieren. Wir müssen unseren Lebensstil auf den Prüfstand stellen und nicht oberflächliche Kosmetik durch Sanierung des Finanzwesens betreiben. Welche Sicherheit bietet schon eine gut gefüllte Brieftasche an Bord der Titanic? Welche Sicherheit wird eine Welt bieten, in der in Asien zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser mehr haben, in der der Meeresspiegel um einen Meter steigt, in der wegen Überschwemmungen und Dürre immer weniger Nahrung produziert, die Meere überfischt sind, gleichzeitig aber die Erdbevölkerung wächst?

Renate Wöhrle, Weinstadt

"Wir machen uns nichts vor", ist das Interview mit Peer Steinbrück überschrieben. Wer macht hier wem was vor? Der Minister seinen Interviewern Marc Brost und Matthias Nass oder alle drei etwas den Lesern der ZEIT, weil sie kein Wort darüber verlieren, wie tatkräftig diese Regierung zur Krise beigetragen hat? Kein Wort des Bedauerns, dass es ein Fehler war, im Koalitionsvertrag der Deregulierung zu huldigen und Real Estate Investment Trusts (Reits) sowie Private Equity Tür und Tor zu öffnen. Dazu passt, was der Leiter der Abteilung Geld und Kredit im Hause Steinbrück im Juli 2006 in der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen versprochen hat: Man werde der Branche "keine unnötigen Prüf- und Dokumentationspflichten" auferlegen und darauf achten, "dass den Instituten keine unnötigen Prüf- und Dokumentationspflichten" entstehen, wenn sie "in ABS-Produkte mit gutem Rating investieren". ABS, Asset Backed Securities meint jene Finanzpakete, in die Kredite von cleveren Geldvermehrern zerstückelt, verschnürt und dann weiterverkauft wurden und mit denen die Kreditanstalt für Wiederaufbau pleitegegangen ist. Autor Jörg Asmussen ist inzwischen Staatssekretär von Peer Steinbrück. So betätigen sich in trauter Eintracht die Böcke als Gärtner.

Bruno Bienzle, Nürtingen

Wie lange wird das Machtpotenzial wohl aufseiten der Politik bleiben, sollte es tatsächlich gelingen, eine Weltwirtschaftskrise abzuwenden? Reicht die Aussicht, dass die Politik durch eine monetäre Versorgung der Finanzmärkte das Schlimmste gerade noch abwenden kann, überhaupt aus, um das nötige Vertrauen in Wirtschaft und Globalisierung wiederherzustellen? Die Vergangenheit hat wiederholt gezeigt, dass Politik, wenn überhaupt, häufig nur in Krisenzeiten die nötige Durchsetzungskraft besitzt, um nachhaltige Reformen mit vielen Beteiligten durchzusetzen. Dass die Politik ihre derzeitige Handlungsmacht verteidigen kann, darüber können die Beteiligten nur spekulieren, nach Stabilität und Vertrauen klingt das noch nicht. Der richtige Augenblick ist jetzt. Die Politik erscheint insofern gut beraten, neben den monetären Maßnahmen unmittelbar auch konkrete Maßnahmen zur stärkeren Regulierung der Finanzmärkte mit dem Ziel der nachhaltigen Stabilisierung der Weltwirtschaft zu ergreifen und umzusetzen. Wenn die Globalisierung den Menschen gerechten und nachhaltigen Wohlstand zu bringen in der Lage ist, dann ist jetzt einmal mehr der Zeitpunkt, die Menschen davon zu überzeugen und die Weichen rasch in die richtige Richtung zu stellen.

Dr. David Schwartze, Wuppertal