Oft wurde in den vergangenen Wochen von der Renaissance der Familienunternehmen gesprochen. Die Übernahme des Autozulieferers Continental durch die Schaeffler Gruppe unter Führung der Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler (Bild) und die laufende Übernahme von Volkswagen durch die Porsche SE, hinter der die Familien Porsche und Piëch stehen, galten als Beleg. Das Beratungsunternehmen Weissmann & Cie. aus Nürnberg hat nun die Leistungen der 40 größten deutschen börsennotierten Unternehmen mit den 40 größten Familienunternehmen (darunter auch von Großaktionären dominierte AGs wie BMW oder Stiftungsunternehmen wie Bosch) im Zeitraum 2002 bis 2007 verglichen. Resultat: Bei Wachstum und Arbeitsplatzzuwachs sind die Familienbetriebe besser, meist auch bei den Renditen. Bei der Ertragssteigerung liegen hingegen die börsennotierten Unternehmen vorn. Chefberater Arnold Weissmann kommt zum Schluss: "Eigenkapital und Kriegskasse stimmen" bei den meisten Familienunternehmen, deshalb könnten sie in der Krise strategisch agieren. Allerdings müssen in diesen Tagen gerade die Paradebeispiele Schaeffler und Porsche noch zeigen, ob sie mit den Börsenturbulenzen und deren Folgen wirklich gut umgehen können. DHLDie notleidende Fluglinie Austrian Airlines (AUA) könnte für den österreichischen Staat zum Milliardengrab werden. Die Lufthansa hat Interesse an der Airline, will aber offenbar nicht genug zahlen. Branchenkenner schätzen, dass das bisherige Angebot der Öffentlichkeit nur schwer zu verkaufen gewesen wäre. In der Hoffnung auf ein besseres Gebot wurde deshalb die abgelaufene Frist für eine Privatisierung der angeschlagenen Fluglinie bis Ende Dezember verlängert. Auch die russische S7 Airlines gilt als ein Einstiegskandidat.

Die Lufthansa hat bisher anscheinend neben einem symbolischen Abfindungspreis kaum Zugeständnisse bei Pensionsverpflichtungen und Schulden machen wollen. Die Fehlbeträge der AUA belaufen sich immerhin auf rund 900 Millionen Euro. Und in diesem Geschäftsjahr erwartet Unternehmenschef Alfred Ötsch einen Verlust, der – ohne Sondereffekte – auf 125 Millionen Euro anwachsen könnte. "Die schwierigen Rahmenbedingungen des ersten Halbjahres haben sich erneut verschärft", so Ötsch.

Spätestens im Februar drohen weitere Hiobsbotschaften. Dann nämlich laufen Kreditlinien aus. Massive Einschnitte erwarten Analysten insbesondere dann, wenn die AUA eigenständig bleibt. Bis zu 50 Prozent der Streckenziele müssten aufgegeben werden, schätzt Paul Wessely von der UniCredit in Wien. "Das würde einen entsprechenden Personalabbau nach sich ziehen", sagt der Analyst. Auch AUA-Chef Ötsch rechnet dann mit "Grauslichkeiten" für die Mitarbeiter. tat

Wenn die Zeiten schlechter werden, kürzen Unternehmen gern als Erstes ihre Ausgaben für Informationstechnik. Das ist in der Regel einfacher durchzusetzen, als Einsparungen bei den Personalkosten vorzunehmen. Auch der Softwarekonzern SAP bekommt das zu spüren. Die Firma aus dem badischen Walldorf entwickelt vor allem betriebswirtschaftliche Programme für Unternehmen. Einen derartigen Rückgang der Nachfrage in so kurzer Zeit habe er bislang noch nicht erlebt, sagte Vorstandssprecher Henning Kagermann, der am Dienstag den Bericht zum dritten Quartal vorstellte. Demnach ist SAP zwar weiterhin profitabel, allerdings sank die Gewinnmarge unerwartet stark. Bis zum Jahresende will der Softwarekonzern daher rund 200 Millionen Euro sparen. Kagermann bleibt nicht viel anderes übrig, als beim Personal anzusetzen. Schon vor einigen Wochen wurde bekannt, dass die mehr als 50000 Mitarbeiter dafür auf Dienstreisen zwischen den Standorten verzichten sollen. Zudem verhängte der Vorstand einen Einstellungsstopp. Stellenstreichungen schloss der SAP-Chef ausdrücklich aus. "Wir stellen nicht mehr ein, aber wir werden keine Arbeitsplätze abbauen", sagte er. Über zwangsweise Betriebsferien zum Jahreswechsel werde derzeit noch intern verhandelt. roh

Der ehemalige IG-Metall-Chef Franz Steinkühler, Namensgeber der "Steinkühler-Pause", Wegbereiter der 35-Stunden-Woche und zurückgetreten wegen des Verdachts auf Aktien-Insiderhandel, ist auch als 71-Jähriger noch im Dienst der Gewerkschaft unterwegs – und scheut dabei wenig Mühen. In einem Briefwechsel mit dem Axa-Versicherungskonzern kritisierte er seine Hörgeräteversicherung, die laut Kleingedrucktem nicht im Fall von "Krieg, Bürgerkrieg und Streik" gilt. "Glauben Sie im Ernst, den Versicherungsanspruch wegen eines Streiks aufheben zu können?", schreibt Steinkühler. Dabei gehe es um ein "grundgesetzlich garantiertes Recht". Bisher schwenkt die Axa nicht ein, gibt aber zu, dass "die genannten Gefahrenpotenziale qualitativ und quantitativ unterschiedlich zu bewerten sind". NIA

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