Klein sieht er aus, wie er da unten vor den steil ansteigenden Sitzreihen des Hörsaals im Klinikum Krefeld steht. Vor ihm Ärzte im weißen Kittel, Techniker, Verwaltungsangestellte. Tuschelnd schauen sie hinunter auf ihren Chef, auf Francesco de Meo vom Klinikkonzern Helios.

Ende 2007 hat Helios das Krefelder Krankenhaus gekauft, viel Unruhe gab’s, sogar einen Fackelzug besorgter Bürger. Und jetzt steht de Meo da unten und wirkt so gar nicht wie ein Konzernboss und böser Privatisierer. Statt Seidenkrawatte und Gelfrisur trägt er Polohemd und Wuschelschopf. Und dann liest er auch noch etwas vor aus Der kleine Prinz von Saint-Exupéry: "Man kennt nur die Dinge, die man zähmt." Das Publikum raunt.

Um den Abbau von Distanz und Angst gehe es, um das Erkennen und Verändern, erklärt de Meo mit Blick in die Ränge. Auf seinem Laptop klickt er ein paar Grafiken an, die groß hinter ihm auf der Wand erscheinen: der Personalabbau in deutschen Kliniken von 876.000 auf 796.000 Mitarbeiter, die Zunahme der Behandlungsfälle von 14,6 auf 16,9 Millionen, dies alles seit 1991. "Das führt zu Arbeitsverdichtung – und die Angst ist berechtigt, dass es auf Kosten der Qualität geht", sagt de Meo.

Das Krankenhaussystem stehe insgesamt unter Druck. Die Krefelder Klinikmitarbeiter dürften ihre Sorgen nicht allein an der Übernahme durch einen privaten Träger festmachen. De Meo doziert nicht, er wirbt. Das mit dem kleinen Prinzen sei ihm eingefallen, sagt er, weil er daraus immer seinen Kindern vorlese. "Der ist aber süß", wird später beim Rausgehen eine blondierte Verwaltungsangestellte sagen.

Haushalte unter Druck – Privatkliniken willkommen

Der 44-jährige de Meo – ein Gastarbeiterkind, der Vater war Italiener, die Mutter Deutsche – steht seit Anfang des Jahres an der Spitze von Helios, dem drittgrößten Klinikkonzern in Deutschland. Die Branche wächst schnell, indem sie öffentliche Krankenhäuser aufkauft. 2007 hat Helios nach eigenen Angaben bei mehr Privatisierungen den Zuschlag bekommen als alle Konkurrenten. Umsatz und Gewinn wachsen zweistellig.

Zwar sind derzeit nur etwa 14 Prozent des deutschen Krankenhausmarktes in privater Hand, doch entscheidend ist der Trend. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Zahl der Betten in privaten Kliniken beinahe verdoppelt. Die öffentlichen Haushalte sind unter Druck, viele kommunale Häuser arbeiten noch immer nicht kostendeckend – da kommen die Privaten gerade recht. Aber es wächst auch die Skepsis gegenüber dem Rückzug des Staates. Unlängst schlug die Gewerkschaft ver.di Alarm: Nicht einmal in den USA werde im Gesundheitswesen so viel privatisiert wie hier.