Der iranische Präsident Ahmadineschad verkündet das "Ende des Kapitalismus" und erntet dafür Kopfnicken im kapitalistischen Kommentariat. Sein Chef Chamenei wittert schon den Kollaps der "westlichen liberalen Demokratie". Tatsächlich aber zeigt die alte Dame zusammen mit ihrem Bruder, dem Kapitalismus, wieder ungeahnte Kraft, derweil gerade die Feinde der offenen Gesellschaft – Iran, Venezuela, Russland – einer Existenzkrise entgegentorkeln.

Die Kraft des modernen Kapitalismus fließt aus unendlich vielen Quellen, vom kleinen Krämer bis zum großen Google, von der Bildung (Know-how) bis zur Börse (Kapitalbeschaffung). Die Macht des antiwestlichen Trios aber beruht auf dem Energiepreis; es ist eine "Achse des Bö(l)sen". Und Öl lag in dieser Woche bei 60 Dollar, im Juli waren es 147.

Der russische Finanzminister meinte im September, der Staatshaushalt rutsche bei einem Preis von 70 Dollar ins Minus. In Iran und Venezuela begann die Staatskrise schon bei 95 Dollar; da ging’s an die Sozialprogramme, die Chávez und Ahmadineschad an der Macht halten. 80 Prozent (!) des iranischen Budgets kommen aus der Energie; zwölf Prozent des BIPs gehen in Subventionen für Benzin und Brot. (Bei uns wären das 300 Milliarden Euro.) Mit Öl finanziert Chávez die Hälfte des Staates.

Als die Sowjetunion 1991 zusammenbrach, lag der Ölpreis bei 20 Dollar (nominal). Als Putin auf der Münchner Sicherheitskonferenz von 2007 praktisch den zweiten Kalten Krieg erklärte, waren es 64 Dollar. Im Juli hatte Öl seinen historischen Höchstpreis erreicht; im August fiel Russland in Georgien ein. Eine krude Korrelation – und doch: Die Expansion kommt mit dem Energiepreis daher.