Auf der Tanzfläche des Temple drängen sich normalerweise glitzernde Partygirls und sonnenbebrillte Hip-Hop-Fans. Doch an diesem Montagabend ist alles anders: Die Gäste in dem angesagten Nachtclub von San Francisco wirken wie Kongressteilnehmer beim abschließenden Umtrunk. Eingeladen hat CT4O, eine Gruppe von Führungskräften in der Umwelttechnologie. Die Abkürzung steht für Clean Tech & Green Business Leaders for Obama. Auf den Videoleinwänden zwischen Buddhafiguren verkündet der demokratische Präsidentschaftskandidat eine Botschaft der Erneuerung.

Die Leute von CT4O haben Geld für seinen Wahlkampf gesammelt. 1,5 Millionen Dollar bislang. Dabei ist sie erst vor knapp vier Monaten gegründet worden.

Im Silicon Valley, dem Innovationszentrum südlich von San Francisco, ist man noch spendabel. Man glaubt an die Zukunft. Man verkörpert das junge, das vorwärtsgewandte Amerika, das sich den Optimismus nicht verderben lässt. Während die drohende Rezession die Stimmung im ganzen Land eintrübt, geht vom Valley Hoffnung aus. Man setzt jetzt auf Umwelttechnologie. Und viele setzen auf Barack Obama.

Im Temple-Club nippen die Mittdreißiger aus Silicon Valley gepflegt am Biowein und naschen garantiert tierproduktefreie Veganer-Häppchen. Dann tritt Tracy Chapman auf. Als die Sängerin ihren Hit Talking bout a revolution anstimmt, kommt Bewegung in die Analysten, Produktentwickler, Finanziers, Berater und PR-Vertreter, es wird gejubelt und gewippt und gesungen.

Eine Revolution ist schon einmal von Silicon Valley ausgegangen. Sie bescherte der Welt den Mikrochip, den PC und das Internet. Jetzt ist ein neuer technologischer Umschwung in der Mache, hoffen zumindest die Leute von CT4O: Milliarden fließen zurzeit in die Entwicklung erneuerbarer Energien, in Wasserrecycling und treibstoffproduzierende Algen. Trotz der Finanzkrise haben Investoren im Valley allein im vergangenen Quartal über eine Milliarde Dollar neu angelegt, und über 40 Prozent davon flossen in die alternativen Energieunternehmen. Das berichtet Brian Fan von der Cleantech Group, die sich auf die Beratung in Sachen Umwelt-Start-ups spezialisiert hat.

Der Sektor wächst mit einer Rate von über 50 Prozent pro Jahr. "Auch wenn der Ölpreis aktuell zurückgeht, der fundamentale Trend weist langfristig nach oben", sagt Fan. "Das macht erneuerbare Energien interessant." Noch vor vier Jahren steckten Risikokapitalgeber nur rund 700 Millionen Dollar in alternative Energien, 2008 womöglich über vier Milliarden Dollar.

Bescheiden sind die erklärten Ziele der Investoren nicht: Sie wollen die Welt vor der Klimakatastrophe retten, die US-Wirtschaft erneuern und ganz nebenbei viel Geld für sich selbst abschöpfen. Während an der Wall Street ein Rekordverlust den nächsten jagt, die Detroiter Autobauer mit der Pleite ringen, die Arbeitslosenzahlen alarmierend steigen und Meinungsmacher im In- und Ausland den endgültigen Abstieg der Supermacht USA beschwören, keimt in Kalifornien schon wieder neue Hoffnung. Das New York Times Magazine widmete der "New New Economy" vor drei Wochen die Titelgeschichte. Der Kandidat Obama hat dem Bereich 150 Milliarden Dollar an Fördermitteln versprochen – bezahlt durch die Versteigerung von Emissionsrechten.