Handtaschen

Tillmann Prüfer fragt, warum Frauen riesige Taschen lieben

Seit Jahren werden die Handtaschen von Saison zu Saison größer. Und immer wenn man denkt, nun könnte es ein Ende haben mit dem Wachstum, schwellen sie noch ein wenig mehr an. Erst waren sie so groß, dass man eine Bowlingkugel darin unterbringen konnte, dann nahmen sie die Maße von Einkaufstüten an. Auf den jüngsten Schauen in Mailand präsentierte D&G schließlich ein Monster, das selbst die voluminösen, englisch tote genannte Riesentaschen des vorigen Jahres wie Beutelchen erscheinen lässt: eine Art Seesack, in dem man, wenn nicht einen Wal, so doch einen Tümmler verpacken könnte. Warum sollte die moderne Frau einen Meeressäuger durch die Fußgängerzone schleppen? Und falls sie das nicht vorhaben sollte – warum dann solche Taschen? Accessoires, die voluminöser sind als ihre Besitzerin und in denen man sich ohne Navigationsgerät nicht zurechtfinden kann, können nicht gut sein.

Gerne wird argumentiert, dass große Taschen die Frauen, die sie tragen, umso zierlicher erscheinen lassen. Nach dieser Logik müsste auch jede Frau, die Ottfried Fischer umarmt, aussehen wie ein Topmodel. In Wirklichkeit sehen Frauen, die Ottfried Fischer umarmen, aber aus, als würden sie dazu gezwungen. Das haben sie mit den Trägerinnen der Riesentaschen gemeinsam. Diese Frauen tragen schwer an ihrem Leben. Derzeit ist in der Mode überall die Rede davon, dass die erwachsene, stolze Frau wiederentdeckt wird.

Diese Frau braucht zuallererst eine Tasche, die nicht schwerer ist als sie selbst.

Wann also platzt die Taschenblase? Vielleicht können dazu die Modelle beitragen, die die Münchner Designerin Ayzit Bostan für den Lederwarenhersteller Bree entwickelt hat. Das schönste Stück davon ist eine Tasche, die gerade groß genug ist für ein bisschen Geld, ein bisschen Rouge und ein bisschen Hausschlüssel. Mehr muss niemand bei sich haben. Und die blitzend-blinkende Kette, mit der man sich das Bree-Modell über die Schulter hängen kann, sorgt dafür, dass die Trägerin trotzdem auffällt. Dazu besteht die Tasche aus zwei Lederhüllen, die zum Schließen übereinander geschoben werden. Das ist hübsch raffiniert und verhindert, dass einem jemand unbemerkt in die Tasche greifen kann. In Zeiten der Wirtschafts- krise ist das ein nützliches Detail.

In dieser Saison eine Seltenheit: