Veruschka und Penn. Diesen Sommer hat sie ihn noch einmal aufgesucht, in New York, den überlebensgroßen alten Mann der Fotografie. Irving Penn, 91, den alle nur Penn nennen und der nie viel gesprochen hat. Ikone also trifft Ikone, Jahrzehnte nach ihrer glamourösen gemeinsamen Zeit und ganz unsentimental, der Sache, der Arbeit wegen.

Vera von Lehndorff alias Veruschka ist auf das Treffen gut vorbereitet. Penn will ein Bild von ihr machen. Eine Art Gemälde stellt sie sich vor, wie es in der imaginären Ahnengalerie der Grafen von Lehndorff-Steinort hängen könnte, jenes ostpreußischen Adelsgeschlechts, dem sie entstammt. Vera Gottliebe Anna von Lehndorff, besser bekannt als die "nackte Gräfin" oder Veruschka, neben den ehrwürdigen Physiognomien der Grafen Ahasverus, Carl Meinhard oder Carol, das hätte etwas. Würde Familienbande knüpfen, die längst nicht mehr existieren. 1944 wurden die Lehndorffs von den Nazis enteignet, Veras Vater Heinrich gehörte zum Widerstand, fand nach dramatischer Flucht am 20. Juli in Plötzensee den Tod. Die jahrhundertealten Kunstschätze des Besitzes: geplündert, geraubt, in alle Winde zerstreut. Schloss Steinort/Sztynort in Masuren ist heute bloß noch eine traurige Ruine.