Das Timing der "Queen of Pop" hätte nicht schlechter sein können. Globale Finanzkrise und nationale Rezession werfen Schatten auf London, die Immobilienpreise taumeln, Aktienkurse stürzen, Entlassungen drohen. "London Falling", schreibt das amerikanische Magazin Time. Ausgerechnet jetzt lassen sich der Weltstar Madonna und ihr ungleich unbekannterer Filmregisseur Guy Ritchie scheiden. Dass sich Englands allmählich verglühender Fußballstern David Beckham von Los Angeles lieber nach Mailand als in die alte Heimat ausleihen lässt, wird da nur am Rande notiert.

Die Auflösung der glamourösen angloamerikanischen Ehe nach fast acht Jahren ist für die britische Hauptstadt von trüber Symbolik. Als sich Madonna 1998 bei einem von Sting gegebenen Dinner in den zehn Jahre jüngeren Jungen aus gutem Hause verliebte, war London auf dem Weg nach oben. Der neue Labour-Premierminister Tony Blair schlürfte mit den Britpoppern von Oasis in seinem Amtssitz Champagner, und das Land erfand sich als "Cool Britannia" neu.

London hängte erst Frankfurt und Paris und dann New York als globale Finanzmetropole ab. Buchhaltungsfirmen und Anwaltskanzleien eingerechnet, erwirtschaftete die City, Londons Finanzdistrikt, zuletzt 15 Prozent des britischen Bruttosozialprodukts. Während des langen Booms erarbeitete sich London seinen Ruf als vitale Weltstadt – wieder cutting edge zu sein, ganz vorn auch in Mode, Musik und Medien.

Guy Ritchie, der damals mit seiner ersten Verbrecherfarce aus dem heruntergekommenen East End auf sich aufmerksam machte, war Teil dieser Anglomania. Lock, Stock and Two Smoking Barrels hieß der Film, auf Deutsch Bube, Dame, König, Gras. Einen besseren hat er bis heute nicht gedreht. Madonna stieg darauf ein. Das Paar heiratete im Dezember 2000 auf Skibo Castle in Schottland, kaufte gleich ein paar Domizile in London und Ashcombe House in der Grafschaft Wiltshire, einst Landsitz des englischen Society-Fotografen Cecil Beaton. Madonna trug Tweedkostüme und Schottenröcke, ritt im Morgengrauen aus und sprenkelte ihre Interviews mit Londoner Cockney-Slang.

Im Herbst des Jahres 2008 interessiert sich Madonna angeblich wieder mehr für US-Baseball-Stars und trägt so zu Londons Depression bei. Verzweifelt suchen die Medien nach positiven Zeichen. Das Boulevardblatt Daily Mirror zitierte vergangene Woche eine Madonna-nahe Quelle, wonach der Star schon der Kinder wegen die Stadt nicht sofort mit Sack und Pack verlassen könne. "London hat Madonna in ihren Bann geschlagen. Das lässt sich nicht so leicht abschütteln." Allerdings hatte es auch erst geheißen, Ritchie wolle nichts von dem auf 300 Millionen Dollar geschätzten Vermögen seiner Nochgattin. Inzwischen scheint die Trennung doch komplizierter zu werden.

In der Rangliste toller Weltstädte fehlt London zum zweiten Mal

Wie lange wird es das Material Girl in einer Stadt aushalten, die sich mäßigen muss? Die Affluenzia, das Wohlstandsvirus, scheint überstanden. Der durchschnittliche Brite hat – relativ zum Einkommen – heute mehr Schulden als ein durchschnittlicher Amerikaner. Die Sunday Times gibt ihren Leserinnen bereits "50 Ratschläge", wie man als eine Recessionista durch die Misere kommt. Die Kolumnistin India Knight, deren Einkaufsfibel The Shops: How, Why, and Where to Shop vor fünf Jahren ein Bestseller war, wirft sich mit dem Thrift Book, dem "Buch der Sparsamkeit", ins maue Weihnachtsgeschäft.