Vergangenen Sonntag wurde wieder auf Normalzeit umgestellt, und die Stunde zwischen zwei und drei Uhr nachts fand doppelt statt. Gewinnt man dadurch Zeit? Und wofür? Wenn im Frühjahr auf Sommerzeit zurückgestellt wird, dann entfällt die eben noch gewonnene Nachtstunde einfach wieder – also hat man Zeit verloren. Einige meinen sich zwar an die aus der Realität gestrichene Zeit erinnern zu können, doch besagte Stunde ist unwiderruflich verschwunden. Dies steht diametral zu der österreichischen Geschichtsauffassung, in der Zeitläufte, die tatsächlich stattgefunden haben, im Erinnerungsvermögen nicht existent sind. Prinzipiell verspricht diese Nutzanwendung der Relativitätstheorie eine interessante Möglichkeit zu sein, der Wirklichkeit zu entrinnen. Man lässt einfach Zeit ausfallen. Das kann aber auch ins Auge gehen. Island zum Beispiel, dem Virtuellen grundsätzlich zugetan, entschied sich dafür, der Zone der Greenwichzeit anzugehören, obwohl geografisch dazu rund 20 Längengrade fehlen. Auf der Wikingerinsel wurde dadurch stets zwei Stunden zu spät aufgestanden. Derzeit wird intensiv geprüft, ob dies den Staatsbankrott beschleunigt hat. Der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll hingegen vermutet, es könnte sich wieder große Sympathie für eine Große Koalition in der Bevölkerung erzeugen lassen, indem die letzten beiden Jahre einfach aus der Chronik verbannt werden. Wer weiß, vielleicht kann er mit etwas Übung noch weitere vier Jahre löschen, und die ÖVP hätte wieder eine satte Mehrheit im Land. Es ist ja bekanntlich alles relativ.