Dicker Mann mit quietschbuntem Trikot und rasierten Beinen auf Rennrad – das ist Spocht. In diesem Sinne ist der Scirocco ein Spochtwagen. Platt gekloppter GTI, Rennbulette, flotte Flunder, null auf weiß nicht in zack zack. Auf den Oberarm ein Klebtattoo pappen, einem Fuchs den Schwanz abschneiden und den festen Vorsatz fassen, einer Dame hinterherzupfeifen – großer Spocht! Da! Beim Aschenbecher: die Weicheitaste. Komfort normal? Quatsch: Spocht! Bissken am Getriebe fummeln, D heißt das Memmenprogramm. Nix da: S wie Spocht! Und ab die Sause. Schon eiern geschockte Sonntagsfahrer im Rückspiegel, und der Sheriff lässt perplex die Radarwumme sinken. Hier kommt das Wölfchen aus Wolfsburg!

Ein Wort zur Technik. FSI ist das Volkswagen-Kürzel für Benzin-Direkteinspritzung und heißt fuel stratified injection , sprich: Im neuen Scirocco wird der Treibstoff geschichtet eingespritzt. Der alte Scirocco verschlang den nicht nachwachsenden Rohstoff noch durch ein Saugrohr, das heißt, der Kolben lutschte sich nach Lust und Laune Benzin aus dem Tank. Heute gibt man den modernen Benzin-Direkteinspritzern nur noch das Nötigste. Das geht so: In einem großen Rohr, dem Rail, setzt man Sprit höllisch unter Druck. 110 Bar gibt VW auf den Saft. Zwischen Sprit und Brennkammer sitzt das Einspritzventil. Das teilt unglaublich knauserig dem jeweiligen Zylinder, der gerade mit der Explosion an der Reihe ist, durch ein winziges Loch ein bisschen Benzin zu. Das saust nun, zu feinen Tröpfchen zerstäubt, punktgenau auf die Elektroden der Zündkerze zu. Gleichzeitig wird durch eine große Ventilklappe Frischluft eingeblasen. Wenn die Ingenieure alles richtig gemacht haben, ballt sich um die Elektroden herum eine zündfähige Gemischwolke, während im restlichen Brennraum Atemluft steht. Dann macht es Rumms, und der nächste Zylinder ist dran.

Dieses Brennverfahren nennt sich Schicht- oder Magerbetrieb und ist extrem sparsam. Es taugt aber nur für kleine und mittlere Drehzahlen bis 3.000 Umdrehungen pro Minute. Wer den Bleifuß auf dem Gaspedal ruhen lässt, aktiviert den sogenannten Homogenbetrieb. Der funktioniert fast genauso wie beim alten Saugrohr und bringt keine Verbrauchsvorteile. Die FSI-Welt zerfällt infolgedessen in zwei Teile. Die einen bummeln opaartig durch die Gegend und sparen ansehnliche Mengen an Sprit. VW glaubt an bis zu 20 Prozent. Die anderen sparen nichts. Die treiben Spocht. Volksspocht.

Technische Daten
Motorbauart: 4-Zylinder-Ottomotor mit DSG
Leistung: 147 kW (200 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,1 s
Höchstgeschwindigkeit: 233 km/h
CO²-Emission: 179 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,6 Liter
Basispreis: 27.400 Euro

Burkhard Straßmann ist ZEIT-Autor