Damals: 23.4.1976

Wer war denn das noch mal? Dieser ältere Herr in Grau, der sich da aufs Parkett gewagt hat, armeschlenkernd, heiter beinahe, als sei es eine Lust zu leben? Es ist der Genosse Staatsratsvorsitzender, der Eintänzer Erich, Herr im Haus des Volkes. Vielleicht war es Honeckers beste Stunde, als er sich bei der Einweihungsfeier im Palast der Republik zu einem Tanz hinreißen ließ, beklatscht von den Granden seines Halbstaates, die protokollgemäß strahlen. Die namenlose Dame in Silberglitter an seiner Seite scheint bereit, ihm sogleich um den Hals zu fallen. Oder sucht sie nur die Balance zurückzugewinnen vor lauter Glücksschwindel? Der dann ja auch bald aufflog. Gerade einmal dreizehn Jahre wurde geschwoft im Volkspalast, dann gingen die Lichter der Republik aus. Jetzt tanzen sie anderswo in Berlin. Friede den Hütten, Abriss der Paläste. wfg

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