DIE ZEIT: Wie kommt man auf die Idee, ein Internetportal zu gründen, das deutschsprachigen Studenten und Geschäftsleuten das Einleben in China erleichtern soll – ohne selbst je dort gewesen zu sein?

Clemens Helbock: Natürlich sind viele Leute erstaunt. Da will ihnen einer das Land erklären, ohne da gewesen zu sein: Das klingt schon ein bisschen nach Karl May. Aber die Idee war gar nicht so absurd. Ich konnte immerhin schon die chinesische Sprache. Außerdem sollte die Seite von Anfang an eine Web-2.0-Community werden, mit aktiver Teilnahme der Nutzer. Ich habe das technische Gerüst bereitgestellt, mit dessen Hilfe sich die Exildeutschen ihr Gastland gegenseitig erklären können.

ZEIT: Sieben Jahre nach der Gründung gilt schanghai.com als bekannteste Internet-Anlaufstelle für deutschsprachige Expats in China…

Helbock: Wir haben die aktivsten Diskussionsforen, die meisten China-Jobangebote und die größte Zahl an registrierten Nutzern, mehr als fünftausend.

ZEIT: Worüber wird in den Foren diskutiert?

Helbock: Über berufliche und alltägliche Dinge. Wie funktioniert das mit dem chinesischen Führerschein? Wie viel kann ich verdienen? Woran scheitert die Kommunikation mit lokalen Mitarbeitern? Bekomme ich irgendwo Brot mit Kruste? Das sind so die drängenden Fragen.

ZEIT: Sie leben seit 2004 nun selbst in Shanghai, werden Sie bleiben?

Helbock: Im Moment sieht es danach aus. Andererseits sind wir gerade dabei, unser Community-Prinzip auf andere Länder auszuweiten: die Tigerstaaten, die Golfstaaten, Afrika, Osteuropa und Südamerika. Wir wollen den Expats in die aufstrebenden Wirtschaftsräume folgen. Mal sehen, wohin mich das am Ende führen wird.

Interview: Markus Wanzeck

Clemens Helbock, 32, hat das deutschsprachige Internetportal schanghai.com gegründet