Disco, Filme und Debatten – die Pariser hatten die Wahl zwischen mehr als einem Dutzend großer nuits américaines. Die Älteren mochten sich noch an den gleichnamigen Film von François Truffaut erinnern, in dem es, wie dieses Mal auch, um Ideale, Leidenschaften und Enttäuschungen geht. Amerika ist Frankreichs große Liebe. Erweckt im Reich der Ideale, besiegelt mit der Freiheitsstatue. Und immer dann, wenn dieses Amerika dem französischen Verständnis von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zuwiderhandelt, ist der Liebeskummer groß. Dies aber war die Nacht der Hoffnung.

Während in Harrys Bar oder im futuristischen Kino-Aquarium am Trocadero die große Promi-Sause abging, mit freier Sicht auf den blau schimmernden, stündlich glitzernden Eiffelturm, traf sich ein junges, aufgekratztes Debattenpublikum im Hörsaal der Denkburg École des Hautes Études en Sciences Sociales". Übervoll war es, draußen vor dem Gitter stauten sich Enttäuschte, drinnen ging es zur Sache. Hammerharte Wahlsoziologie, politologische Analysen, präsentiert von Experten und Intellektuellenstars wie Wendy Brown (Post-Foucault) und Judith Butler (Post-Strukturalismus). Langeweile kam nicht auf, zumal die Erkenntnisse der Fachleute unangenehm an der Siegessicherheit der Obamards kratzten. Zwischendurch CNN, Rotwein, Rillettes und andere Stärkung – bis drei Uhr morgens. Dann war die Liebesnacht der Intellos um. Und die Lichter des Eiffelturms schon lange abgeschaltet.