Der 26. Dezember 2004 war ein Fluch für die Menschheit und ein Segen für deutsche Erdbebenforscher. An diesem Tag forderte ein Tsunami im Indischen Ozean 230000 Todesopfer. Daraufhin spendierte das Bundesforschungsministerium 45 Millionen Euro für ein Tsunami-Frühwarnsystem made in Germany. Neun Forschungsinstitute machten sich an die Arbeit, am kommenden Dienstag beginnt offiziell der Testbetrieb. "Pünktlich", loben die Beteiligten, dabei ist das Warnsystem noch längst nicht fertig.

Die Deutschen versprachen Indonesien den Mercedes unter den Alarmanlagen, mit feinen Sensoren auf dem Meeresboden (besser als die amerikanischen), Pegelstandsmeldern vor der Küste (mehr als vor Japan) und einem sekundenschnellen Vergleich von Messdaten und Erdbebensimulationen (hat keiner). Doch anfangs erinnerte die deutsche Spitzentechnologie eher an das Maut-Desaster: zu komplex, der von Politikern verordnete Zeitplan zu ehrgeizig. Vor allem die Datenübertragung von den Sensoren am Meeresboden über Bojen bis zur Warnzentrale machte Schwierigkeiten. Gerade dieser Datenabgleich ist aber besonders wichtig, um einen Fehlalarm auszuschließen, denn nicht jedes Erdbeben löst einen Tsunami aus.

Viele Mängel sind inzwischen behoben. Die Unterwassersensoren werden aber erst im kommenden Jahr installiert, dann beginnt die eigentliche Bewährungsprobe. Manche Probleme sind ganz banal: Die Solarzellen auf den Bojen könnten geklaut werden, Schleppangeln der Fischer könnten die Verankerung kappen. Außerdem muss die Bevölkerung für den Ernstfall trainiert werden – dabei hilft die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit.

Die deutschen Ingenieure haben an vieles gedacht. Aber wenn doch mal etwas kaputtgeht? Von 2010 an soll Indonesien das Frühwarnsystem allein betreiben. Manche Forscher befürchten, ihr Mercedes könnte dann pannenanfällig werden.