John Maynard Keynes war nicht nur ein einflussreicher Ökonom, sondern auch Politiker. Als Vertreter des britischen Schatzamts nahm er an den Verhandlungen über den Vertrag von Versailles teil. Später leitete er 1944 die britische Delegation bei der Weltwährungskonferenz von Bretton Woods, die im noblen Mount Washington Hotel im US-Bundesstaat New Hampshire stattfand.

Bei diesem Treffen einigten sich 44 Staaten auf die Grundlagen einer neuen Währungsarchitektur. Der Dollar war ihr Anker: Die USA versprachen, bei Bedarf Dollar gegen Gold einzutauschen, und die übrigen Wechselkurse wurden an die amerikanische Währung gekoppelt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) überwachte das System und leistete Hilfe, wenn ein Land in die Schieflage geriet.

Keynes hegte damals noch weiter gehende Pläne: Seine ökonomischen Studien bestärkten ihn in der Auffassung, dass der freie Markt versagen kann. Deshalb machte er sich in Bretton Woods für die Einführung einer Weltwährung stark. Nie mehr sollte das Weltwährungssystem zusammenbrechen können wie in den dreißiger Jahren, weil einzelne Staaten ihre Wechselkurse manipulieren, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Gegen die Amerikaner konnte er sich damit aber nicht durchsetzen.

Immerhin: Das System von Bretton Woods hielt fast drei Jahrzehnte lang in der ursprünglichen Form. Bis die Amerikaner ihre Staatsausgaben – unter anderem für den Vietnamkrieg – zunehmend auf Pump finanzierten. Damit kamen immer mehr Dollar in Umlauf; die USA sahen sich außerstande, diese noch in Gold umzutauschen. 1971 kündigte Präsident Richard Nixon die Umtauschgarantie. Eine Wiederbelebung erfuhr der Grundgedanke dann um die Jahrtausendwende: Asiatische Volkswirtschaften koppelten ihre Währungen einseitig an den Dollar, um stabile Bedingungen für ihren Export zu schaffen. Einige Ökonomen haben dies sogar Bretton Woods II genannt. (MAS)