DIE ZEIT: Herr Blessing, die Commerzbank erhält aus dem Sonderfonds der Bundesregierung 8,2 Milliarden Euro und Kreditgarantien. Müssen Sie sich jetzt schämen?

Martin Blessing: Nein. Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Kunden und Aktionären und haben in ihrem Sinne gehandelt. Wir glauben auch, dass es einen volkswirtschaftlich positiven Effekt hat, wenn Banken gut kapitalisiert sind und gerade in einer wirtschaftlichen Abschwungphase wie jetzt nicht anfangen müssen, Kredite über das Maß zu verknappen. Dafür hat die Regierung den Fonds ja aufgelegt.

ZEIT: Ihr Gehalt wird dieses und kommendes Jahr auf 500000 Euro begrenzt. In Ihren Kreisen ist das wenig.

Blessing: 500000 Euro sind eine Menge Geld. Ich kann mit der Regelung leben.

ZEIT: Der Staat kann jetzt auf Ihre Geschäfte Einfluss nehmen, zum Beispiel auf die Dividende. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Blessing: Wir werden für die Geschäftsjahre 2008 und 2009 keine Dividende zahlen. Das Geld bleibt im Haus und stärkt das Eigenkapital weiter. Ich kann verstehen, dass der Staat sagt: Ich kann euch kein Kapital verabreichen, wenn ihr das gleich wieder an eure Aktionäre als Dividende ausschüttet. Nicht vorgesehen ist, dass der Staat direkt Einfluss auf Einzelentscheidungen nimmt, dass er also zum Beispiel sagt, diesen Kredit müsst ihr an A vergeben, jenen an B, diesen müsst ihr ein bisschen billiger machen, jenen teurer. Das wäre auch nicht gut.

ZEIT: Wenn das alles so problemlos ist – warum hat es dann so lange gedauert, bis die erste Privatbank Kapitalhilfen angenommen hat?