Zu den ungelesenen Werken Goethes gehört auch ein Buch über den seinerzeit europaweit berühmtesten und begehrtesten Landschaftsmaler Philipp Hackert. Vor seinem Tod schon von den jüngeren Kollegen verspottet und dann zweihundert Jahre gering geschätzt, scheint Hackert diesen Winter nun wieder in Mode zu kommen, vergangenen Sonntag ist in Weimar eine große sehr schöne Ausstellung mit Gemälden und Radierungen zu Ende gegangen, vom Ende des Monats an wird sie dann in Hamburg zu sehen sein, und es gibt einen prächtigen Katalog dazu (Jakob Philipp Hackert. Europas Landschaftsmaler der Goethezeit. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2008, 383 S., 49,80 €). Und auf Rügen hat vor zwei Jahren eine Fachtagung über Hackert und besonders über die Tapetenmalereien stattgefunden, die der junge Maler im Gutshaus eines Mäzens in Boldevitz angefertigt hatte und die dort restauriert wieder zu bestaunen sind, und der Bericht über diese Tagung, wunderschön illustriert, liegt jetzt auch vor (Europa Arkadien. Jakob Philipp Hackert und die Imagination Europas um 1800. Wallstein Verlag, Göttingen 2008, 397 S., 49,80 €). Dieser sehr interessante Band enthält auch Aufsätze über Hackert und Goethe, besonders lesenswert etwa ist der Beitrag von einem der vier Herausgeber, Lucas Burkart, über Wohnen in Arkadien.

Hackert war in Rom Goethes Zeichenlehrer gewesen, seither waren sie befreundet, und als Hackert starb, 1807, nahm sich Goethe vor, so etwas wie seine Biografie zu schreiben; aus Freundschaft, ganz sicher; aber er glaubte auch, über Kunst so zu denken, wie Hackert sie produzierte, und wollte diese Ideen unter die Leute bringen (das Buch erwies sich dann als ein ziemlicher Flop, aber Goethe war das gewohnt); außerdem war er in diesen Jahren für sich selbst an biografischen und autobiografischen Problemen interessiert. Das kam hier zusammen, denn Jakob Philipp Hackert hatte Aufzeichnungen über sein Leben hinterlassen, die Goethe eigentlich nur bearbeitend lesbar machen wollte. Außerdem lag ihm ein Bericht vor, den ein wohlhabender Engländer gemacht hatte, als er mit Hackert und Charles Gore Sizilien bereiste, und den Goethe, mit gelegentlichen Auslassungen und Änderungen, einfach übersetzte.

Wie bei den vielen andern Übersetzungen Goethes lässt sich da anhand des Originals leicht feststellen, was Goethe getan hat. Ganz anders ist das bei Hackerts Aufzeichnungen, denn ein Streich des Zufalls will es, dass diese Aufzeichnungen weg sind, verloren gegangen; nun haben wir nichts als Goethes Bearbeitung und also eigentlich nicht die mindeste Ahnung, wie weit er da eingegriffen hat und überhaupt gegangen ist beim Bearbeiten. Ehrfurchtsfrei und doppelt interessiert, lesen wir nun dieses leicht geschriebene ferne Leben und schauen uns dazu die Landschaften an, in denen wir so gern wären.

Nächste Woche erscheint in dieser Kolumne "Taschenbuch" von Franz Schuh.

Stillleben mit Buch