DIE ZEIT: Lieber Herr Kreibich, diese Frage können Sie als Geschäftsführer der Stiftung Lesen eigentlich nur mit Ja beantworten: Lesen Sie gern?

Heinrich Kreibich: Mit 15 Jahren war ich geradezu lesesüchtig – und mit den Klassikern der Weltliteratur auf Du und Du: Dostojewski, Tolstoj, Thomas Mann. Meine Begeisterung für Literatur wurde allerdings später von einem anderen Interesse überlagert: Ich habe Pädagogik studiert und mich dabei besonders mit der Frage beschäftigt, wie gesellschaftliche Integration gelingen kann.

ZEIT: Wo lesen Sie am liebsten: im Bett, im Zug, im Ohrensessel?

Kreibich: Mit meinem Leseverhalten finde ich mich in Lesestudien sehr treffend beschrieben: Die "mobilen Entscheider" lesen unterwegs – vor allem in der Bahn. Allerdings muss ich bei der Frage, ob ich eine aktuelle Neuerscheinung schon gelesen habe, oft das Gleiche gestehen, was die meisten anderen beruflich stark Beanspruchten sagen müssen: "Klingt interessant, liegt auf meinem Nachttisch – ich komme aber einfach nicht dazu."

ZEIT: Welches Buch hat Ihnen in Ihrem Leben besonders viel bedeutet, zu welchem sind Sie immer wieder zurückgekehrt?

Kreibich: Vermutlich hat mich kein anderes Buch so sehr geprägt wie die Apologie des Sokrates beziehungsweise die platonischen Dialoge. Das provokante, ideenreiche und nicht zuletzt ausgesprochen mutige Erforschen der Wahrheit jenseits vorgefertigter Meinungen und Ideologien – das imponiert mir bis heute.

ZEIT: Gibt es ein Kinderbuch, ohne das kein Kind aufwachsen sollte?