ist der wohl einflussreichste deutsche Philosoph und findet weltweit Gehör. Wie kein Zweiter prägt der 79-Jährige die Debatten der Gegenwart. Habermas studierte in Göttingen, Zürich und Bonn unter anderem Philosophie, Geschichte, Psychologie und Ökonomie. Nach seiner Promotion über Schellings "Weltalterphilosophie" kam er als Assistent von Theodor W. Adorno in Kontakt mit der Frankfurter Schule. Erstes Aufsehen erregte Habermas mit einem 1953 in der "FAZ" publizierten Angriff auf Martin Heidegger, dem er die Rehabilitierung des Nationalsozialismus vorwarf. Ein breites Echo löste auch seine Habilitationsschrift "Strukturwandel der Öffentlichkeit" aus. 1964 folgte Habermas dem Philosophen Max Horkheimer auf den Frankfurter Lehrstuhl und wurde zu einem intellektuellen Anreger der 68er-Bewegung, mit deren radikalen Vertretern er sich aber rasch überwarf. Sein Hauptwerk, die "Theorie des kommunikativen Handelns" (1981), beschreibt das Ideal einer Demokratie, deren kritischer Maßstab das verständigungsorientierte Gespräch aller Bürger ist. Die Öffentlichkeit, das diskursive Herz dieser Gesellschaft, dürfe von keinem Systemimperativ "kolonisiert" werden – auch nicht von der Wirtschaft.

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