Aus der Finanzkrise ist man ja schon manchen Irrsinn gewohnt. Verkäuferinnen, Lehrer und Krankenschwestern müssen plötzlich mit ihrem Steuergeld glitzernde Bankpaläste vor dem Einsturz bewahren. Ein Banker bezieht öffentliche Prügel, weil er kein Geld vom Staat will. Da kann leicht untergehen, was für ein Wahnsinn sich gerade in der Metallindustrie abspielt. Dort legen Zehntausende in Warnstreiks ihre Arbeit nieder, obwohl mangels Aufträgen schon ganze Fabriken eingemottet werden. Dort hält die IG Metall stur an acht Prozent fest, ihrer höchsten Lohnforderung seit 16 Jahren – während Politiker glauben, sie müssten die Jobs der Automobilarbeiter mit Staatsgeld retten.

Es ist kaum auszuhalten: Mit nicht weniger als vierzig Milliarden Euro zinsvergünstigter Kredite will EU-Kommissar Günter Verheugen die europäischen Autohersteller päppeln. Berlin unterstützt den irrwitzigen Plan und legt sogar noch etwas obendrauf: Der Kauf neuer Blechkisten soll durch die Befreiung von der Kfz-Steuer gefördert werden. Das ist schon ökologisch gesehen Unfug – nach dem bisher vorliegenden Regierungsplan würden die Fans spritschluckender PS-Monster besonders viel sparen. Es ist auch ökonomisch nicht begründbar. Für ein allgemeines Konjunkturprogramm, für staatliche Investitionen oder die finanzielle Entlastung von Geringverdienern spricht vieles – aber nichts spricht für die Subventionierung einzelner Branchen. Schon gar nicht der Metallindustrie.

Wem sollen solche Subventionen nützen? Den Aktionären? Das wird wohl kein Steuerzahler wollen. Den Beschäftigten? Die ziehen gerade zu Zehntausenden vor die Fabriktore und verkünden, ihre Unternehmen verdienten immer noch prächtig und könnten die höchste Lohnsteigerung seit Langem verkraften. Ein Ruf nach Staatshilfe hört sich anders an.

Wenn schon einzelne Branchen, dann würde es eher Sinn ergeben, den Kauf von Kaffeemaschinen bei Karstadt zu fördern. Denn der Einzelhandel ist ein echtes konjunkturelles Krisengebiet, dort müssen die Beschäftigten sogar massive Lohnkürzungen hinnehmen. Davon ist die Metallindustrie weit entfernt, so dramatisch ist ihre Lage nicht. Dass trotzdem eilig Hilfe für sie organisiert wird, zeigt nur eines: Die Macht der Autolobby ist größer als die des Einzelhandels.

In Wahrheit ist das Bild in der Metall- und Elektrobranche bisher noch gemischt. Die meisten Betriebe haben in den vergangenen Jahren tatsächlich sehr gut verdient. Einige Teilbranchen sind von der Krise auch kaum betroffen. Daher lässt sich dort, etwa im Maschinenbau oder in der Metallbearbeitung, heute noch prima streiken. Doch anderswo sind die Alarmsignale inzwischen unübersehbar, etwa im Automobilsektor oder bei den Herstellern von Druck- und Textilmaschinen.

Deshalb muss die IG Metall runter von ihrer extremen Lohnforderung. Vor allem darf sie nicht reflexhaft Einmalzahlungen als Teil eines Tarifkompromisses ablehnen. Sie sind das beste Instrument, um die Arbeitnehmer an Erfolgen zu beteiligen, die glänzend waren, aber für große Teile der Branche erst einmal vorbei sind.