"Das ist mein letzter Basquiat"

Zehn Jahre lang blieb dieser Basquiat bei einem Drummer, doch jetzt kommt er untern Hammer

"Untitled (Boxer)" von Jean-Michel Basquiat, 1982

"Ich glaube, ich habe ihn mehr beeinflusst als er mich", sagte der selbstbewusste Jean-Michel Basquiat einmal über seinen Mentor Andy Warhol. Tatsächlich hatte der Pop-Papst Anfang der achtziger Jahre schon lange nicht mehr gemalt und geklagt, er sei "nur noch ein schlichter Gebrauchsgrafiker". Erst der Graffitikünstler und Maler Basquiat brachte ihn dazu, noch einmal selbst zum Pinsel zu greifen.

So war das häufig: Große, müde gewordene Männer fühlten sich angezogen von der Jugend und dem heiligen Ernst des schwarzen Künstlers.

1996, acht Jahre nach Basquiats frühem Drogentod, wirkte auch Julian Schnabel sehr müde. Neben Basquiat war Schnabel in den achtziger Jahren der größte Star des amerikanischen Neoexpressionismus. 1996 aber, als niemand mehr Schnabels Bilder kaufen wollte, drehte er die Filmbiografie Basquiat. Sie war eine Abrechnung. Jean-Michel Basquiats Leben und Werk sollte exemplarisch daran erinnern, wie man an den laschen Verhältnissen zugrunde gehen kann. Und darin liegt vielleicht auch die Faszination Basquiats für andere Künstler. Jahrelang hing etwa im Studio der Band U2 ein großformatiger Basquiat. Lars Ulrich, der Schlagzeuger von Metallica, besaß gleich mehrere Leinwände aus dem Œuvre des Malers.

Nun aber gibt der Drummer sein letztes Basquiat-Bild zur Auktion. Am 12. November wird es in New York bei Christie’s versteigert. Das Auktionshaus erhofft sich den höchsten Preis, der je für eine Arbeit von Basquiat gezahlt wurde; der bisherige Rekord liegt bei 14,6 Millionen Dollar. Untitled (Boxer) von 1982 enthält tatsächlich alles, wofür der ewige Außenseiter verehrt wird. Der Künstler porträtierte sich selbst als Boxer, der im Triumph die Arme hochreißt. Stark und wild sieht er aus, doch über seinem Kopf hängt eine Dornenkrone. Stark und wild – und deshalb leidend.