Ist die Herrschaft des Marktes über die Kultur wirklich beendet? Steht plötzlich der forschende Geist wieder höher im Kurs als der effizienzbekiffte Börsenwahn? Geht ein kreativer Schub durch unser Land, der die Wechselstuben der Kulturkrämer hinwegfegt? Sollte sich von nun an der Wert der Künste nur noch nach ihren schöpferischen Impulsen bemessen lassen, ohne dass ihnen ein schnöseliger Art-Consultant Markttauglichkeit attestiert? Eine wundervolle Vorstellung! Aber Ihre Erwartung, dass sich ausgerechnet jene, die sich wegen ihrer intellektuellen Leistungsschwäche als willige Vollstrecker einer Primitiv-Ökonomie erwiesen haben, plötzlich das wahre Wesen der Kunst erschließen könnten, halte ich für ziemlich hoch gegriffen.

Die Eventkultur erklärt sich von selbst, zum Verständnis von Kunst jedoch braucht man Kenntnisse. Und diese an alle zu vermitteln, halten die Konstrukteure unseres marktfixierten Bildungssystems aus kurzfristigen Zweckerwägungen bisher für überflüssig. Doch vielleicht gewinnen die Schulen und Universitäten, die Museen und Theater nach den aktuellen Erfahrungen die nötigen Spielräume zum freien Denken und Handeln zurück, und uns bleiben wenigstens dort die Ackermänner erspart.

Lothar Reinhardt,

Bad Münster