Ariane und Philipp haben ein Baby bekommen. Ariane hat sich gerade mit einer kleinen Firma selbstständig gemacht. Also schlägt Philipp vor, dass nicht sie, sondern er Elternzeit nimmt und zu Hause bleibt. Ariane ist begeistert. Sie ist stolz auf ihren progressiven Mann. Philipp geht in seiner neuen Rolle voll auf, er kümmert sich voller Begeisterung um die gemeinsame Tochter. Allerdings hat Ariane nach etlichen Monaten den Eindruck, Philipp gefalle das Hausmann-Dasein etwas zu gut. Während sie mit Erfolg ihr Geschäft aufbaut und viel unterwegs ist, hat Philipp kaum Ehrgeiz, in seinen Job zurückzukehren. Ariane stört, dass Philipp bequem wird und sich weniger pflegt. Philipp wirft ihr vor, dass er ihr den Rücken für ihren Job freihalte und sie ihm mehr Zuwendung geben müsse. Ariane fragt sich, warum sie ihren Partner so wenig begehrt.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Eigentlich haben es die beiden richtig gemacht. Wenn der Vater sich um das Baby kümmert, hat ein Paar gute Chancen, die schwierigen Jahre nach einer Geburt zu überstehen. Väter gehen der Familie oft verloren, wenn sie die Kränkung nicht verarbeiten können, dass der Mutter das Kind so überaus wichtig ist. Mütter hingegen können sich für einen Mann begeistern, der ihr Kind versorgt. Sie holen am Abend nach, was sie tagsüber versäumt haben, während der Vater oft nur noch den Stress des Arbeitstages spürt, sobald die eheliche Wohnung in Sicht ist. Philipp wird mit seinem Töchterchen selbst halb zum Kind und glaubt an den Sex-Appeal der Glucke. Die Mutter fühlt sich ignoriert und verliert die Lust. Philipp sollte darauf achten, dass nicht nur ein Kind, sondern auch eine erotische Beziehung gepflegt werden muss.

Wolfgang Schmidbauer, 67, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten, von ihm erschien "Mobbing in der Liebe", Gütersloher Verlagshaus 2007