Die Mitarbeiter der Firma Pharmakina in Bukavu warten händeringend auf Rinde von den Chinarindenbaum-Plantagen. Und auf den Mann von DHL, der die seit Tagen zum Abtransport bereitgestellten Malariamedikamente holt und zu ihren Bestimmungsorten in der Demokratischen Republik Kongo fliegt. Dorthin, wo Menschen leben, deren Gesundheitszustand sich dramatisch verschlechtern wird, wenn die Medikamente sie nicht rechtzeitig erreichen.

In Bukavu wird nicht gekämpft, sind keine Schüsse zu hören. Und doch hat der Krieg im Nordkivu die Hauptstadt der Südkivu-Provinz erreicht. "Die Transporte aus dem Norden kommen nicht mehr durch. Der Flughafen ist für uns nicht mehr erreichbar", klagt Pharmakinas Chefwissenschaftler Marcel Konyonyo.

Und auch das zweite Medikament, das Pharmakina produziert, erreicht nicht die Patienten, die es dringend brauchten. Grund ist nicht der Krieg, sondern die Bürokratie: Nach drei Jahren soll nun die Produktion des Aids-Präparats Afri-Vir eingestellt werden. Es ist nie auf den ostkongolesischen Markt gekommen, weil ein Zulassungsdokument fehlte. Bedrückt führt Konyonyo durch die stillgelegten Labors, in denen die Maschinen schon für den Abtransport bereitstehen – gebrauchte, aber neuste Technologie aus Thailand. "Bis zum letzten Moment haben wir gehofft, dass es eine Lösung gibt", sagt er.

Die Plantagen für Chinarinde stehen mitten im umkämpften Gebiet

Es herrscht wieder Krieg im Ostkongo, und die humanitäre Katastrophe nimmt erneut ihren Lauf. Wieder sind Flüchtlingsströme unterwegs, drohen Hungersnot und Seuchen. Soldaten vergewaltigen Frauen, infizieren erneut Tausende von ihnen mit Aids. Auf diese Opfer des neuen Konflikts schaut niemand. "Wenn nicht schnell ein Korridor eröffnet wird, um Lieferungen durchzulassen, wird das für die Empfänger unserer Medikamente schwere Folgen haben", sagt Konyonyo.

Mit Willkür, Gewalt und den unterschiedlichen Kriegsfraktionen haben die Chefs von Pharmakina, die Brüder Dirk und Michael Gebbers, schon immer umgehen müssen, seit sie 2005 das Unternehmen von ihrem Vater Horst übernahmen. Und irgendwie haben sie es immer wieder geschafft. Bukavu ist eine dreckige Stadt am Ufer des Kivusees, durch die seit mehr als einem Jahrzehnt immer wieder Rebellen und marodierende Soldaten ziehen. Sie ist ein Zufluchtsort für Flüchtlinge und ehemalige Völkermörder. Die einzige Straße, die zu dem Unternehmen führt, ist ungeteert und schlammig. Heruntergekommene Händlerhütten säumen das Ufer, Marktfrauen verkaufen den kargen Fang, den der See noch hergibt.

Aidskranke brauchen dringend Medikamente. Preiswerte, in Afrika hergestellte Generika könnten ihnen helfen © Spencer Platt/​Getty Images

Wie eine Oase der Zivilisation steht am Ende dieser Straße das weiße Pharmakina-Gebäude, umgeben von einer hohen Mauer. Grüner Rasen ziert das Grundstück. Den Schmutz des Krieges haben sich die Gebbers dennoch nicht vom Hals halten können. Ihre Plantagen, in denen sie den Chinarindenbaum züchten, liegen in beiden Teilen des Kivu. Das Gebiet ist umkämpft, seit nach dem Völkermord im benachbarten Ruanda die ehemaligen Hutu-Mörder in den Kongo flüchteten und dort weitere Gewalttaten verübten. Sie leben vom Verkauf von Rohstoffen.