Noch mehr Ärger für Hartmut Mehdorn, den Chef der Deutschen Bahn: Zu den Wartungsproblemen und dem Skandälchen um die opulenten Sonderzahlungen an den Vorstand kommen jetzt auch noch Vorwürfe, nach denen der Infrastrukturkonzern Milliardensummen in den Schotter gesetzt habe. Das Netzwerk Privatbahnen – ein Zusammenschluss von 25 privaten Eisenbahngüterverkehrsunternehmen – prangert jedenfalls die Investitionsstrategie von Bund und Bahn als "einseitig" und "volkswirtschaftlich ineffizient" an.

Grundlage der Kritik ist ein Gutachten, in dem der Verkehrswissenschaftler Gottfried Ilgmann tadelt: Die Bahn sei auf Hochgeschwindigkeitstrassen beim Streckenbau geradezu fixiert. Das sei aber durch die Entwicklung seit den neunziger Jahren "immer widersinniger" geworden. Die vielen ICE-Strecken seien "unrentierlich", heißt es in der 50-seitigen Expertise. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, zum Beispiel der Strecke zwischen Berlin und Wolfsburg, liege das Nutzen-Kosten-Verhältnis sämtlicher Rennstrecken "jenseits von Gut und Böse".

Das viele ausgegebene Geld fehle dem Güterverkehr – mit der Folge, dass eine Armada von Lastwagen Straßen und Autobahnen verstopfe. Was wiederum Hartmut Gasser, den Präsidenten vom Netzwerk Privatbahnen, veranlasst, nicht etwa von einem Skandälchen zu sprechen, sondern von einem handfesten "Skandal". VO

Vergangene Woche ist Scheich Hamad bin Dschasim bin Dschabir al-Thani shoppen gegangen. Für 2,3 Milliarden Pfund erhöhte der Außenminister von Qatar seinen Anteil an der britischen Barclays Bank auf 15,5 Prozent. Das ist Teil eines Rettungspaketes, das der Bankvorstand mit den Königshäusern von Abu Dhabi und Qatar vereinbart hat. Auch die britische Regierung wollte helfen und die Bank mit Steuergeld rekapitalisieren. Doch Barclays’ Bosse wollen sich die nötigen 7,3 Milliarden Pfund lieber am Arabischen Golf holen. Am 24. November entscheiden die Aktionäre.

Die drittgrößte Londoner Bank steht so etwas besser da als die Wettbewerber Royal Bank of Scottland und Lloyds TSB. Für die gab es keine Alternative zur Verstaatlichung. Den Königsfamilien und Staatsfonds vom Arabischen Golf gehören nun Anteile von knapp 32 Prozent an Barclays, was einer Art Teilverstaatlichung durch das Ausland gleichkommt. Einer teuren dazu, denn die arabischen Großaktionäre kassieren 14 Prozent Zinsen auf ihre Investition. Zwei bis drei Prozent mehr, als die britische Regierung verlangt hätte.

Barclays hat sich so die Freiheit von Auflagen der britische Regierung erkauft. Der Steuerzahler ist das Risiko dennoch nicht ganz los: Falls Barclays trotz der Petrodollar in Probleme geriete, würden die Steuerzahler wohl doch einspringen. JFJ

Der Abschwung erreicht auch die Reichen. Alle Reichen? Fast alle. Zwar sind die Marktbarometer für Luxusprodukte im freien Fall, etwa der World Luxury Index der Deutschen Börse, aber zwei Ausnahmen bleiben. Erstens: Superreiche, die zwei-, drei- oder vierstellige Millionensummen besitzen. Sie erwerben weiter munter Luxusgüter, berichten Marktbeobachter bei der Citigroup. Zweitens: sehr reiche Menschen in Schwellenländern. Auch sie sehen offenbar wenig Grund zum Sparen. Zum Beispiel die Käufer teurer Autos in China: In der Volksrepublik bleiben Luxusschlitten der große Hit. JIE/tf