Es ist, als hätte sich in dieser Nacht ein gigantischer Riss durch das Land gezogen, ein Graben, der auf Generationen hinaus nicht mehr zuzuschütten sein wird.

In Chicago starrten zehntausende Obama-Anhänger fassungslos auf die Bildschirme in den public viewing areas, (Tumult, Aufruhr, fassungslose Enttäuschung in den schwarzen communities)

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ungläubigsten sind jene, die am längsten auf diesen Tag hingearbeitet haben: Amerikas Veteranen der Bürgerrechtsbewegung können noch Stunden nach dem endgültigen Wahlergebnis nicht fassen, was sich abgespielt hat. Ein junges schwarzes Ehepaar ist auf dem Weg ins Weiße Haus. Vom Alter her könnten es ihre Kinder - und in gewisser Hinsicht sind sie es auch.

Barack Obama ist Jahrgang 1961, Michelle Obama wurde 1964 geboren. Man muss ein paar Bilder und Schlagzeilen aus diesen Jahren hervorziehen, um die Fassungslosigkeit der älteren Afro-Amerikaner zu verstehen. 1961 hat John F. Kennedy gerade sein Amt angetreten, in Alabama setzt ein weißer Mob einen Bus mit Bürgerrechtlern in Brand, die nur knapp dem Tod entkommen. In Kentucky provoziert ein unbekannter Boxer namens Cassius Clay die Presse mit der für einen "Negro" ungebührlichen Ankündigung, seinen weißen Gegner in der sechsten Runde K.O. zu schlagen. Was er auch tut. In Mississippi berichten schwarze Demonstranten nach ihrer Freilassung aus dem berüchtigten Parchman-Gefängnis von Schlägen und Elektroschocks.

1964, im Geburtsjahr von Michelle Obama, taumelt das Land im Schock über die Ermordung Kennedys, Martin Luther King Jr. erhält den Friedensnobelpreis, in Mississippi werden drei junge Bürgerrechtler vom Ku Klux Klan ermordet, in Washington unterzeichnet Präsident Lyndon B.Johnson gegen massiven Widerstand im Kongress den Civil Rights Act , das bis dahin schärfste Gesetz gegen rassische Diskriminierung. In den Schwarzen-Ghettos brechen die ersten Aufstände aus. In New York fragt eine Fotografin den Jazzmusiker Miles Davis nach seinen drei größten Wünschen: "To be white!" antwortete er.