1. Sarah Palin

Es wird womöglich nicht sehr lange dauern, und die Welt wird sich an John McCain noch etwa so genau erinnern wie an Bob Dole (Dole? Ja, der ehrenwerte, sehr alte republikanische Kriegsveteran, der 1996 gegen Bill Clinton antrat). Unwahrscheinlicher ist dagegen, dass Sarah Palin so schnell vergessen wird – und das liegt nicht nur daran, dass sie freundlich lachte, als ein kanadischer Komiker sich am Telefon als Präsident Sarkozy ausgab und ihr zweifelhafte Komplimente für einen Pornofilm machte, in dem ein Palin-Double mitspielt. Vielmehr begann Palin bereits gegen Schluss dieses Wahlkampfs, auf eigene Rechnung zu operieren. Ihre Vertrauten ließen durchblicken, dass sie McCain zu ehrpusselig fand, wenn es um Angriffe auf Obama ging. Und während McCain von Palins Nominierung mehr Schaden als Nutzen davontrug, avancierte sie von einer überdrehten Gouverneurin hinter Kanadas Grenzen zur Galionsfigur einer Rechten, der der Kandidat nicht rechts genug war: Palin wurde Kult. Schon jetzt rufen sie Parteifreunde zur Präsidentschaftskandidatur 2012 auf. Vielleicht endet sie auch als Talkshow-Schreck, aber wer immer dann für die Republikaner antritt, kann nur gewinnen, wenn er die Obama-geneigte Mitte und die Palin-verrückte Rechte wieder vereint.

2. Die Blogger

Jeder Wahlkampf bringt seine eigenen Chronisten hervor. Als George Bush 2000 das erste Mal gewann, wurde seine Kampagne flankiert von ultrakonservativen talk radio- Stationen. Als 2004 die Reputation des demokratischen Vietnamkriegshelden John Kerry zerschossen wurde, geschah dies durch eine Wahlkampf-Guerilla, die so aggressiv sein konnte, weil sie unabhängig von der republikanischen Partei operierte. 2008 dagegen war das Jahr der Blogger – und im Effekt bedeutet das eine Stärkung der liberalen Öffentlichkeit. Das liegt weniger an den Laien-Bloggern als an zwei relativ neuen Sorten von Internet-Tagebuchschreibern: Professionelle Polit-Kolumnisten, die ausschließlich online veröffentlichen (etwa auf politico.com) und den etablierten Medien selbst bei Exklusivgeschichten und meinungsbildenden Kommentaren Paroli bieten. Und dann sind da alte Schlachtrosse des Printjournalismus wie der Time- Kolumnist Joe Klein, die sich schneller, öfter und polemischer in den Wahlkampf einschalten wollen, als es die Druckmaschinen erlauben. Erstmals wirken Blogger damit auf breiter Front als medialer Resonanzboden, der viele Wendungen des Wahlkampfs erst ins Bewusstsein der Öffentlichkeit hob – nicht zuletzt die 150000 Dollar, die die republikanische Partei für Sarah Palins Garderobe ausgab, was ihren Ruf als sympathisches Landei lädierte.

3. Die Märchen

Was verkaufen die Kandidaten eigentlich, wenn sie sich den Wählern anbieten? Parteien? Programme? Charakter? Der Trend geht zu Geschichten – Lebensgeschichten. Dabei werden die Biografien so geschickt mit einem politischen Versprechen verwoben, dass sie Züge des Märchenhaften annehmen: Was ich kann, könnt auch ihr, sagt Obama, yes, we can . Die Tücke: Wer seine Story ändern muss, ist schnell im Nachteil. Genau das ist John McCain ein paar Mal zu oft passiert: vom Außenseiter zum Kandidaten des Establishments, vom Mann der Erfahrung zum Mann des Wandels, vom Militärfachmann zum Wirtschaftskenner – irgendwann war selbst die Vorstellungskraft geneigter Zuhörer überfordert. Oder hat mit Obama einfach das traumhaftere Märchen gesiegt?

4. Das kleine Geld