Verabredung mit Jacques Palminger morgens um elf in der Kantine des Hamburger Schauspielhauses. Der nebenan auf Sankt Georg lebende Entertainer wirkt wie ein Vertreter. Er hat eine Botschaft, das spürt man sofort, aber – auch die Frage ist gleich da – was wird man ihm abkaufen können?

Jacques Palminger, der ein populäres deutsches Bratenfett im Künstlernamen trägt, stammt aus Borken im Münsterland und ist etwa so französisch wie Hamburgs Croissantversuch, das Franzbrötchen. Zum Frühstück bestellt er sich einen schönen Rübeneintopf; bisschen früh noch, wird ihm aus der Küche beschieden, na gut, dann später.

Wir reden über seinen Auftritt im Zürcher Schauspielhaus in z. B. der gestiefelte Kater, über das Projekt am Berliner Maxim Gorki Theater, Songs For Joy, bei dem Laien-Gedichte instantan vertont und aufgeführt werden und, natürlich, über Studio Braun, denn Palminger ist der dritte Mann jenes unterelbischen Telefonstreich-Trios, dessen Humor so dunkelgrau ist wie der Hafenschlick. Seine beiden Freunde sind inzwischen erfolgreiche Autoren: Rocko Schamoni beschrieb in Dorfpunks seine schräge Jugend in Holstein, Heinz Strunk erzählt in Fleisch ist mein Gemüse von seinen Jahren in einer suburbanen Tanzkapelle.

"Wenn ich vernünftig wäre", sagt Jacques Palminger, "würde ich auch ein Buch schreiben oder hätte es längst getan." Daraus spricht die Unvernunft des früheren Punk-Schlagzeugers, der noch an die Musik glaubt und im stattlichen Alter von 44 Jahren sein erstes eigenes Album veröffentlicht, selbst wenn es ihm wohl wenig Geld einbringen wird in dieser Zeit der Tonträgerentwertung und Rundfunkverödung.

Was geschähe, wenn Palminger im Radio zu hören wäre? Deutsche Frau zum Beispiel, jene Ode, die seit ein paar Jahren im Verborgenen kursiert und jeden Hörer in den Bann schlägt: "Deutsche Frau, du hast zwei Beine, du gehst damit zu oft zu weit… Deutsche Frau, du hast Haare. Sie wachsen dir aus deinem Kopf. Sie wachsen mir hinein in mein Leben… Deutsche Frau, du hast Probleme, besonders wenn es mich betrifft…"