Jutta Miller-Waldner wurde vor Kurzem ein äußerst zweifelhafter Titel verliehen: "Arschloch der Woche". Außerdem sei sie "intelligenzbefreit" und "dämlich". So jedenfalls schrieb es ein Blogger in seinem Internet-Tagebuch – und Miller-Waldner kann dagegen nicht viel tun. "Fassungslos und entsetzt" sei sie gewesen, als sie die Schmähungen im Internet gefunden hatte. Die Autorin aus Berlin kennt sich dort eigentlich gut aus. Sie nutzt Soziale Netzwerke, um ihre geschäftlichen Kontakte zu pflegen.

Den Zorn des Bloggers zog sie auf sich, weil sie einige Sätze aus dessen Tagebuch auf ihren eigenen Internetseiten verwendete. Doch wer rechnet schon mit einer solch heftigen Reaktion? Jedenfalls stehen die Pöbeleien jetzt im Netz, und jeder kann sie lesen. Auch Miller-Waldners Geschäftspartner.

Bis zu 80 Prozent aller Tagebucheinträge im Internet enthalten vulgäre, anstößige oder beleidigende Elemente, will die amerikanische Softwarefirma ScanSafe ermittelt haben. Regelrechte Prangerseiten dienen dem Zweck, Mitmenschen runterzumachen. In den USA gibt es zum Beispiel die Websites Dontdatehimgirl (zur Bloßstellung ehemaliger Liebhaber) und PlateWire (zum Schimpfen über andere Autofahrer). Anonyme Schreiber lassen ihrer Wut dort freien Lauf. Die Opfer sind meist ahnungslos, werden aber oft namentlich genannt, ihr Wohnort wird teilweise bis aufs Haus genau bezeichnet.

Dank der Luftbilder von Google Maps entstehen etwa bei RottenNeighbor.com (zur Verunglimpfung von Nachbarn) regelrechte Beleidigungslandkarten. In einem eindeutig identifizierbaren Einfamilienhaus am Stadtrand von Berlin wohnt beispielsweise "Robert, ein fetter, stark riechender Klugscheißer, der seine Kollegen beim Chef anscheißt". Am Luftbild eines Hauses im Hamburger Norden klebt ein leuchtend roter Hinweis: "Die Chefin von dem Laden ist ’ne Nazischlampe." Und Rechtsanwältin Katja G. aus München muss sich vorwerfen lassen, eine "Betrügerin" zu sein, die "mit Abzockern zusammenarbeitet".

Doch einige Dienstleister wollen hier eine Marktlücke gefunden haben. Sie versprechen, den guten Ruf ihrer Kunden vor Verleumdungen zu schützen: gegen Geld.

Die Anbieter heißen zum Beispiel Datenwachschutz, DeinGuterRuf, SaubereWeste oder Reputation Defender. Ihre Suchroboter durchforsten automatisch die gängigen Suchmaschinen, Soziale Netzwerke wie StudiVZ oder Xing sowie Foren und Plattformen wie eBay oder Amazon nach dem Namen des Kunden. Finden sich kompromittierende Einträge, melden sie das ihren Kunden, die dann entscheiden, was sie nicht mehr über sich im Netz lesen möchten. Die Dienstleister bitten dann die Website-Betreiber, diese Daten zu löschen.

Meist muss man dafür ein Monatsabo für rund 10 Euro bestellen, jede Beseitigung eines kompromittierenden Eintrages kostet noch einmal 20 bis 30 Euro. Wie viel dieses professionelle "Reputation-Management" wirklich bringt, ist jedoch umstritten. Anbieter berichten von Löschquoten zwischen 70 und 97 Prozent, aber belegen lässt sich das nicht. "Niemand kann garantieren, dass sich ein Website-Betreiber überhaupt von dem Schreiben eines Reputationsdienstes beeindrucken lässt", sagt der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar.