Fußkleider

Tillmann Prüfer fragt sich, warum die Gamasche zurückkehrt

Es ist nur von einer prominenten Person bekannt, dass sie regelmäßig Gamaschen trägt: Dagobert Duck. Und von dem reichsten und gleichzeitig sparsamsten Erpel der Welt sagt man, dass er seit 60 Jahren nur aus dem einen Grund dieselben blauen Fußkleider trägt, weil er zu geizig ist, sich neue zu kaufen. Tatsächlich waren Gamaschen schon außer Mode, als der Walt-Disney-Zeichner Carl Barks 1947 die Figur des Entenhausener Taler- milliardärs schuf. Mit Gamaschen identifizierte man die Welt der Rockefellers, der Jahrhundertwende- Kapitalisten, für die das Leben ein Monopolyspiel war. Heute wären wir froh, hätten wir Kapitalisten wie Dagobert Duck. Er hätte den Inhalt seines Geldspeichers niemals in den US-Immobilienmarkt gesteckt. Von Dagobert Duck ist nicht bekannt, dass er Mitarbeiter entlassen hätte. Er ist mit seinen Gamaschen der Vertreter einer besseren Welt.

Nun ist die Gamasche wieder vereinzelt in der Mode zu sehen wie zum Beispiel bei Celine, wo sie unten an die Hosenbeine geknöpft wird. Sie wirkt wie ein Zitat längst vergangener Zeiten. Heute ist das Kleidungsstück eine Ausnahmeerscheinung, dabei gehörte die Gamasche früher so selbstverständlich zur Ausstattung wie der Strumpf. Bis in die zwanziger Jahre hinein krönte sie den Fuß des Gentlemans, wurde unter dem Schuh getragen, später auch darüber. Davor hatte sie schon eine lange Karriere gemacht. Denn die Gamasche ist nicht im Salon geboren, sondern auf den Schlachtfeldern. Gamaschen waren Teil vieler Uniformen, in denen im 19. Jahrhundert die Armeen aufmarschierten. Sie schützte die Beine vor Tritten und knochen- knackender Kälte. Als Schutzkleidung führte sie bis in die heutigen Tage auch eine völlig berechtigte Randexistenz, etwa als Beinverkleidung für Berg- steiger. Im Grunde passt ihr Comeback also ganz gut in unsere Tage, an denen alle davon sprechen, dass das Wirtschaftsklima eisig wird.

Völlig unberechtigt ist hingegen, dass ein Abkömmling der Gamasche seit einiger Zeit als sogenannter Legwarmer, also Wadenwärmer, an weiblichen Unterschenkeln auftaucht. Der Wadenwärmer ist offenbar für Frauen vorgesehen, die Bein zeigen wollen, es dafür eigentlich zu kalt finden, weshalb sie die untere Hälfte mit einem unschönen Wollstrumpf überziehen. Wie praktisch. Aber das hätte nicht einmal Dagobert Duck angezogen.

Wieder am modernen Bein zu sehen und doch aus einer anderen Zeit: Gamaschen von Celine, 670 Euro

Foto ––– Peter Langer ZEIT magazin