In vielen Köpfen kreist noch die Vorstellung, das Schlafen bei Eiseskälte sei besonders gesund, Stichwort »Abhärtung«. Und so zittern sich viele Zeitgenossen Nacht für Nacht in den Schlaf im Glauben, damit etwas für ihre Gesundheit zu tun. Aber diesem Mythos liegen gleich mehrere Irrtümer zugrunde.

Es stimmt, dass man in einem überheizten Raum nicht besonders gut schläft. Nachts senkt unser Körper seine Temperatur ab, und wenn er gut bedeckt ist, muss auch der Raum nicht voll beheizt werden. Als gesunde Schlaftemperatur empfehlen die Schlafmediziner heute 16 bis 18 Grad – darunter wird’s ungemütlich, und mit kalten Füßen schläft man schlecht. Das heißt: Im Winter kann es durchaus nötig sein, das Schlafzimmer zu heizen.

Dann gibt es den Mythos vom »frischen Sauerstoff«, der dem Schläfer angeblich ständig zugeführt werden müsste. Abgesehen davon, dass keine Wohnung wirklich luftdicht ist – ein 15-Quadratmeter-Schlafzimmer enthält etwa 9000 Liter Sauerstoff, und ein Mensch braucht zum Atmen nur etwa 10 Liter pro Stunde. Einmal kräftig durchlüften vor dem Schlafengehen reicht völlig, um genug frische Luft für die Nacht zu haben.

Bei vielen hält sich auch der Irrglaube, ein ständig offenes Fenster sorge für ein gutes Wohnklima. Ist jedoch das Schlafzimmer zu kalt gegenüber der restlichen Wohnung, dann strömt ständig warme Luft hinein, die mehr Feuchtigkeit enthalten kann als kalte. Die Folge ist eine zu hohe Luftfeuchtigkeit, es kann sogar zu Kondenswasser und Schimmelschäden kommen.

Und schließlich kommt durchs offene Fenster mehr störender Lärm von draußen rein. Für die angeblich so gesunde Dauerlüftung bleibt da kaum ein Argument übrig. Christoph Drösser

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