Gordon Brown hat gute Laune. Der britische Finanzminister sitzt an der Bar eines Essener Luxushotels. Gerade ist ein Gipfeltreffen der führenden Industriestaaten in der historischen Villa Hügel zu Ende gegangen. Deutschland hat Kontrollen für Hedgefonds vorgeschlagen, das hat Brown verhindert. Diese Europäer, sagt er jetzt, "immer wollen sie alles regulieren". Drei Stockwerke höher bemüht sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, seine Niederlage als Sieg zu verkaufen.

Das war im Februar 2007.

Im Oktober 2008 verteilt Gordon Brown, inzwischen britischer Premierminister, an die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union ein Papier, das "Programm zur Stärkung des globalen Finanzsystems" heißt. Darin fordert er, alle Marktteilnehmer mit "signifikanter Bedeutung" zu regulieren. Dazu gehören auch Hedgefonds.

Dazwischen liegen eineinhalb Jahre und eine Finanzkrise, die die Welt an den Rand des Abgrunds gebracht hat. Und nicht nur Gordon Brown denkt um. Am kommenden Wochenende reisen die Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer zu einem Weltfinanzgipfel nach Washington. Saudi-Arabien und China sind dabei, Indien und Mexiko, Deutschland und Frankreich. Erstmals seit Jahrzehnten arbeitet die Welt gemeinsam an einer neuen globalen Finanzarchitektur.

Diesmal soll eine Ordnung entstehen, die nicht mehr nur den alten Mächten des Westens dient, sondern auch den aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien, Lateinamerika und am Golf. Die es dem Staat ermöglicht, einen Teil des Terrains zurückzuerobern, das er dem Markt überlassen hat. Für die Weltgemeinschaft ist es die seltene Chance, die globale Wirtschaft zu gestalten – für jedes einzelne Land aber auch die Gelegenheit, seine Interessen auf Kosten der anderen durchzusetzen. Was wird am Ende überwiegen?

Seit Langem ist klar, dass die derzeitige Weltfinanzordnung nicht mehr in die Zeit passt. Als sie 1944 in Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire beschlossen wurde, tobte in Europa noch der Krieg. China war ein Entwicklungsland und Indien eine britische Kolonie. Schon damals ging es nicht nur um hehre Ideale, sondern auch um Macht. John Maynard Keynes, der für Großbritannien die Verhandlungen leitete, warb für eine neue Weltwährung, sein amerikanischer Gegenspieler Harry Dexter White verschaffte dem US-Dollar diese Rolle. Die Führungspositionen im Internationalen Währungsfonds (IWF) und in der Weltbank teilten Amerikaner und Europäer weitgehend unter sich auf.

Viele Jahrzehnte lang dominierte die Ideologie des Laisser-faire