Die Automobilbranche gilt als die deutsche Schlüsselindustrie. Bis ins vergangene Jahr erlebte sie einen anhaltenden Aufschwung: Mehr als elf Millionen Pkw deutscher Konzernmarken wurden 2007 weltweit verkauft; 5,7 Millionen davon wurden in den deutschen Werken von Volkswagen, Audi, Daimler, BMW, Opel, Ford und Porsche montiert, der größte Teil ging in den Export. 290 Milliarden Euro setzte die Branche um, das war Rekord. Ihr Handelsbilanzüberschuss lag bei 105 Milliarden Euro. Dem Verband der Automobilindustrie zufolge ist jeder fünfte in der deutschen Industrie erwirtschaftete Euro auf die Automobilbranche zurückzuführen. Noch bis in den August 2008 hinein stieg auch die Beschäftigtenzahl auf derzeit 763000 Menschen; hinzu kommt mindestens die gleiche Zahl an Jobs in vorgelagerten Industrien wie Maschinenbau, Kunststoffindustrie, Stahlproduktion.

Seit Sommer dieses Jahres zeichnet sich jedoch ein Abflauen der weltweiten Autokonjunktur ab, zuerst in den USA, wo vor allem die Nachfrage nach großen Geländewagen einbrach. In Europa – insbesondere in Spanien, Großbritannien und Italien – ging der Autoabsatz ebenfalls überraschend stark zurück. Seit August verhalten sich auch die deutschen Autokäufer zögernd. Wie bei den Amerikanern ist bei ihnen eine Abkehr von großen Autos mit viel Verbrauch hin zu kleineren Modellen zu beobachten. So registriert Daimler eine wachsende Nachfrage beim Smart, während fast alle großen Mercedes-Baureihen an Käuferschwund leiden. Noch vor wenigen Monaten hatte die Branche gehofft, die Schwäche in den USA und Westeuropa durch die schnell wachsenden Schwellenländer ausgleichen zu können. Neuerdings lässt aber auch das Wachstum in Ländern wie Brasilien, China und Russland nach. Auch deshalb fahren jetzt fast alle Hersteller ihre Produktion zurück – zumal sie alle damit rechnen, dass auch das Jahr 2009 schwierig wird. Wenn nicht gar ein Desaster. Dietmar H. Lamparter