Wollen wir an dieser Stelle einmal Bankmanager und Finanzjongleure in Schutz nehmen: Gut, sie haben an den Börsen den größten Krach seit Jahrzehnten zu verantworten. Aber das ist, wie gesagt, an den Börsen. Im Vergleich zu dem, was in diesen Tagen vor unserer Haustür vor sich geht, ist das örtlich sehr begrenzt. Dort nämlich veranstaltet der Laubbläser den größten Krach.

Kein Rasenmäher darf heute mehr lauter sein als das Pfeifen des Hausmeisters bei der Arbeit. Autos, die aus dem Auspuff nicht nach Rosenwasser duften, dürfen in der Innenstadt nicht mehr fahren. Und Kindergärten in Wohngebieten werden wegen Lärmbelästigung geschlossen, wie jüngst in Hamburg geschehen.

Nur der Laubbläser darf unter unserem Schlafzimmerfenster seine Höllenmaschine starten, noch ehe der Morgen graut. Dann knattert er zusammen mit seinen Kollegen wie eine Bande halbstarker Friedrich Merz auf ihren frisierten Mofas durch die Straßen, föhnt mühsam jedes angepappte Blatt einzeln vom Bürgersteig – und dabei stinkt es schlimmer als auf dem Nürburgring.

Wer erinnert sich noch an Momo? Beppo der Straßenkehrer verkörpert in Michael Endes Geschichte einen Menschen, der seine Arbeit konzentriert, in Ruhe, ja geradezu kontemplativ erledigt. Sein Geheimnis ist, dass er immer nur den nächsten Meter im Blick hat, nicht die ganze Straße – bis die Arbeit erledigt ist. Aber die Stadtreinigung macht Druck, sie weiß: Erst fallen die Blätter, dann fällt der Regen, dann fallen ältere Damen. Und sie rechnet aus, dass sie nicht so viele Beppos braucht, wenn sie ihnen die leisen Besen wegnimmt und dafür diesen Donnerföhn in die Hand drückt. Was sind die Folgen? Passanten beginnen sich auf der Straße anzuschreien, Kinder brechen in Tränen aus, Börsenmakler kommen unausgeschlafen zur Arbeit…

Ausbildung: Angelernt
Arbeitszeit: 43 Stunden pro Woche
Einstiegsgehalt (20-Jähriger): 21.600 Euro