Unbestritten sind die mannigfachen Qualitäten von Werner Faymann. Zunächst muss er in den verrohten Zeiten, in denen nur mehr mit flapsigen E-Mails oder grammatikalisch desaströsen SMS kommuniziert wird, als einer der Letzten gelten, die noch die geschliffene Kunst des Briefeschreibens beherrschen. Sein dezent amouröser Ton ist leichtfüßig, nie aufdringlich und wird zu Unrecht bekrittelt. Auch in der eleganten Disziplin des Königsmordes bewies er jene Feinfühligkeit, die eine Führungspersönlichkeit auszeichnet. Dabei lässt sein Gesichtsausdruck daran denken, wie manche Eingeborenen das Krokodil nennen: "Der mit einem Lächeln tötet". Schon in früheren Koalitionstagen umgab ihn der Nimbus, bindungsfähig in alle Richtungen zu sein. Eine große Eigenschaft. Nur Zyniker unterstellen Faymann, unter seiner schimmernden Perlmuttoberfläche befinde sich inhaltliches Vakuum. Seine Stimme, in Falsettnähe angesiedelt, betörte einer Sirene gleich auch die Wählerschaft und brachte die SPÖ wieder näher heran an die 30-Prozent-Schwelle. Doch der alles entscheidende, zu wenig beachtete Erfolgsfaktor des gut gelaunten Tausendsassas ist seine Art zu grüßen. Niemand beherrscht wie er die Meisterschaft des "S’ Gott!" in Kombination mit breitem Lächeln. Sein "S’ Gott!" überbrückt alle Gräben. Schon aufgrund der Häufigkeit wirkt es auf die wehrlosen Begrüßtwerdenden wie ein Meditations-Mantra. Angesichts der weltweiten Krise ist ein Mann unverzichtbar, der imstande ist, die Rezession wegzugrüßen. "S’ Gott!", und schon geht’s wieder aufwärts. Ich habe ein gutes Gefühl.