Die United-Fruit-Doktrin

Über Guatemala wurde es gerade hell, als ein anschwellendes Brummen die Hauptstadt weckte. Die ersten Passanten in den Straßen sahen ein Flugzeug, das im fahlen Licht der matt aufgehenden Sonne auf das Zentrum von Guatemala-Stadt einschwenkte. Die wenigen Augenzeugen verwunderte es, dass die niedrig fliegende Transportmaschine vom Typ Douglas C-47 offensichtlich keine Hoheitszeichen trug. Plötzlich stieß das Geisterflugzeug steil herab auf den Hauptplatz nahe dem Nationalpalast, zog im nächsten Moment wieder hoch und schüttete dabei einen Papierregen über die 5. bis 8. Avenue, über Botschaften, Markthallen, Patios. Es waren Flugblätter. Eine obskure "Nationale Befreiungsarmee" drohte darin mit Bombenangriffen: Bis zum Abend würden das Munitionsdepot und der Palast in die Luft fliegen – sollte Präsident Jacobo Arbenz nicht sofort zurücktreten.

An diesem Morgen des 18. Juni 1954 begann eine Tragödie, deren Wunden bis heute nicht vernarbt sind. Was damals in Guatemala geschah, fand kaum Beachtung jenseits Amerikas. Es war Kalter Krieg, und keiner sah hin.

Ein Jahr und einen Tag zuvor, am 17. Juni 1953, war alles anders gewesen. Da hatte die ganze Welt auf Deutschland geschaut. Der Aufstand der DDR-Bürger gegen ihr Regime erschütterte Europa. An jenem 17. Juni 1953 erwog die CIA in Berlin ernsthaft, wenngleich nur kurz, Waffen an die Demonstranten auszugeben. Jetzt, am 18. Juni 1954, hatte der USGeheimdienst längst schon Bazookas, Sturmgewehre und Mörser verteilt. Auch die ominöse Transportmaschine und die Flugblätter stammten von der CIA. Ebenso die Flugzeuge, die noch am selben Tag das kleine Land sporadisch zu bombardieren begannen.

Auch der Außenminister der USA hat dem Konzern als Anwalt gedient

Denn in Guatemala gab es keinen Volksaufstand, sondern einen getarnten Putsch. Gegen den 1951 vom Volk mit 65 Prozent der Stimmen frei gewählten Präsidenten. Unter größter Geheimhaltung war die obskure "Nationale Befreiungsarmee" von Washington finanziert, organisiert und trainiert worden. Am zweiten Abend der Luftattacken, die vor allem einschüchtern und Guatemalas Armee dazu bringen sollten, den Präsidenten im Stich zu lassen, wandte sich Jacobo Arbenz über den Rundfunk an die Bevölkerung. Er sagte nichts als die reine Wahrheit: "Abenteurer, Söldner, einige Leute aus dem Exil haben eine bewaffnete Invasion begonnen[] Unser einziges ›Verbrechen‹ besteht darin, dass wir eine Agrarreform verfügt haben, die Interessen der United Fruit Company berührt."

In der Tat: Es war nicht "Washington" allein, das da putschte. Es war ein instrumentalisiertes Washington, ein Washington im Auftrag eines Konzerns. Der Fruchtriese aus Boston, damals schon el pulpo, der Krake, genannt, hatte Ende des 19. Jahrhunderts mit großem Geschick begonnen, seine Fangarme über fast ein Dutzend Kleinstaaten in Mittelamerika und der Karibik auszudehnen. Genauer: über deren Ländereien und Arbeitskräfte, die ihm korrupte Caudillos zu Spottpreisen und Niedrigstlöhnen überließen.

Kapitän Lorenzo Dow Baker aus Wellfleet in Massachusetts war der Gründervater des Unternehmens gewesen. Er hatte 1870 aus Jamaika die in den USA noch wenig bekannten Bananen eingeführt: 160 grüne Stauden, zu einem Schilling pro Stiel. In Jersey City verkaufte er jede Staude für zwei Dollar an neugierige Händler. Das Geschäft lief fantastisch. 1885 gründete er mit Partnern die Boston Fruit Company. 1899 wuchs sie sich zur United Fruit Company aus.

Die United-Fruit-Doktrin

1872, zur selben Zeit, da Dow Baker die Banane entdeckte, war eine jüdische Bauernfamilie aus Bessarabien in die USA eingewandert. Als ihr Sohn Samuel Zmuri den ersten Bananenverkäufer sah, war er so begeistert, dass er im Hafen von Mobile die weggeworfenen, für den Weitertransport schon zu reifen Früchte sammelte. Jede Nacht schaffte er sie zu den örtlichen Verkaufsständen. Einmal mehr verwirklichte ein Einwandererkind das Erfolgsmärchen: Aus "Sam the Banana Man" wurde Sam Zemurray, der Bananenkönig, dessen Cuyamel Fruit Company der United Fruit heftig Konkurrenz zu machen begann.

In Honduras organisierte der Aufsteiger den Sturz eines Diktators, um vom nächsten Caudillo alle Konzessionen für seine dortigen Pflanzungen zu bekommen. Von dort rückte Zemurray an die Grenze Guatemalas vor, das 1904 zur größten unter den vielen Domänen der United Fruit geworden war. Die kaufte dem wachsenden Konkurrenten daraufhin sein Imperium ab – für United-Fruit-Aktien im Werte von 31,5 Millionen Dollar und mit der Auflage, aus dem Bananengeschäft zu verschwinden. Zemurray hielt sich daran. Bis der Obstmulti in der Depression 1932 so ins Taumeln geriet wie derzeit viele Großbanken. Zemurray, noch immer größter Anteilseigner, kam nach Boston, erklärte die Manager zu Versagern, sich selbst zum Retter und wurde Geschäftsführer von United Fruit. Der Aktienkurs schoss nach oben, der unaufhaltsame Aufstieg ging weiter.

Mit seinen hundert weißen Kühlschiffen, der größten privaten Flotte der Welt, beherrschte der Bananen-Konzern bald Amerikas und Europas Märkte. Das Wort für die auch politisch kontrollierten Erzeugerstaaten wurde zum festen Begriff: Bananenrepubliken.

Doch dem bettelarmen Guatemala gingen zum Verdruss der Company seit 1944 die Diktatoren aus. Die Bevölkerung wählte zweimal hintereinander demokratische Präsidenten. Die beriefen sich auf die Ideale des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und auf ihr Recht, über nationale Naturschätze zu verfügen und Teile der riesigen ungenutzten Bodenflächen ausländischer Firmen an die Not leidenden Kleinbauern zu verteilen. Für United Fruit war das Kommunismus – der Konzern rief die US-Regierung zu Hilfe.

Es hat sie also schon einmal gegeben, die "Macht transnationaler Unternehmen und Spekulanten", die "offenbar ganze Gemeinwesen in den Abgrund bringen", wie jüngst die Süddeutsche Zeitung angesichts der Weltfinanzkrise klagte. Und der Verdacht, dass diese "Monster" (wie Bundespräsident Horst Köhler sie jüngst nannte) den starken Staat vor allem als nützlichen Idioten angerufen haben, scheint jedenfalls historisch nicht ganz unbegründet. Denn die United Fruit Company hat schon vor gut einem halben Jahrhundert die US-Regierung zum Erfüllungsgehilfen ihrer vernetzten Interessen gemacht.

Alle hohen Entscheidungsträger der USA, die Guatemalas junge Demokratie ausradierten, waren mit United Fruit finanziell oder familiär verbunden. Präsident Dwight D. Eisenhowers Außenminister John Foster Dulles und dessen Bruder Allen, der CIA-Direktor, hatten der Company über Jahre als einflussreiche Anwälte gedient; der Geheimdienstchef besaß obendrein ein ansehnliches United-Fruit-Aktienpaket. Thomas Dudley Cabot, im Außenministerium für Sicherheitsfragen verantwortlich, hatte 1948 die United Fruit als Präsident gelenkt. Ihr Großaktionär war er geblieben, so wie sein Bruder John, seit der im State Department die Lateinamerika-Abteilung leitete.

Die United-Fruit-Doktrin

General Robert Cutler, der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrates, hatte früher dem Aufsichtsrat des Frucht-Konzerns vorgestanden. Mitglied des Aufsichtsrats war auch John McCloy gewesen, von 1947 bis 1949 Weltbankpräsident. Henry Cabot Lodge, der Guatemalas Regierung systematisch verleumdende Botschafter bei den Vereinten Nationen, stammte aus einer Familie, die den Reichtum des Multis hatte mehren helfen; selbstverständlich war auch er Aktionär von United Fruit. Der Gotha der damaligen US-Diplomatie, den Stephen Schlesinger, langjähriger Direktor des World Policy Institute in New York, und Stephen Kinzer, der spätere Pulitzerpreisträger von der New York Times, 1982 für ihr Buch Bitter Fruit zusammenstellten, weist noch viele weitere Mitwirkende an Guatemalas Tragödie auf.

Dieser Phalanx gegenüber saß im zweiten Stock des Nationalpalasts der blonde und blauäugige Jacobo Arbenz. Viele Latinos verglichen den 41-Jährigen begeistert mit dem US-Filmhelden Alan Ladd. Doch längst bevor die Flugblätter auf seinen Amtssitz herabrieselten und die Bomben auf das Land folgten, diffamierte man in Washington den Präsidenten schon als kommunistischen Schurken. Nach dem gleichen Skript hatte die CIA im August 1953 einen Mann erledigt, der sein Land ebenfalls gegen die Alleinherrschaft eines ausländischen Konzerns – der Anglo-Iranian Oil Company – zur Demokratie hatte führen wollen: Irans Ministerpräsidenten Mohammed Mossadegh. Für den Putsch in Teheran hatte der CIA-Einsatzleiter Kermit Roosevelt – ein Enkel Theodore Roosevelts – Parolen ausgegeben wie "Mossadegh ist Kommunist" und "Mossadegh ist Jude". Jacobo Arbenz nun unterstellte man, er wolle Moskau zu einem "Brückenkopf" nahe dem Panamakanal verhelfen.

Dabei war der Sohn eines aus der Schweiz eingewanderten Apothekers nie mehr als ein Nationalist – wie Mossadegh auch. Er wollte die alte Oligarchie überwinden. Der Ex-Offizier pflegte weder Verbindungen zu Kommunisten im Ausland, noch hatte je eine Delegation seines Landes Moskau besucht. Die Sowjetunion unterhielt überhaupt keine diplomatischen Beziehungen zu Guatemala.

Vor allem wollte Arbenz Guatemala von seinem Grundübel, dem Grundübel aller lateinamerikanischen Länder, befreien: der schreiend ungerechten Verteilung von Agrarland. Am 17. Juni 1952 setzte das Parlament eine Landwirtschaftsreform in Kraft. Nach dem Dekret 900 konnte die Regierung unbebaute Böden auf Landgütern mit mehr als 272 Hektar gegen Entschädigung in Besitz nehmen und neu verteilen. Bis im Juni 1954 die Bomben fielen, war die Hälfte der betroffenen Flächen bereits an 100.000 Not leidende Bauernfamilien vergeben. Und weil ihnen der Staat günstige Kredite einräumte, brachte gleich das erste Jahr verblüffend hohe Erträge.

Amerikas Presse versagt: United Fruit spendiert die "Recherchen"

Doch Arbenz’ Traum war rasch ausgeträumt. Ein Fünftel der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen gehörte United Fruit. Gerade 15 Prozent davon hatte die Bananenfirma bepflanzt. Den Rest benötigte sie angeblich für Produktionsausfälle. Tatsächlich sollte er potenzieller Konkurrenz vorenthalten bleiben. Anfang 1953 nahm die Regierung brachliegende Teile einer der Riesenplantagen in Anspruch und bot United Fruit dafür knapp 1,9 Millionen Dollar – was genau dem Wert des Bodens entsprach, den das Unternehmen in seiner Steuererklärung angegeben hatte. Bostons Obst-Oligarchen bebten vor Zorn und verlangten das Zehnfache.

Doch da war die Intervention längst auf den Weg gebracht. Schon als Guatemala 1944 demokratisch geworden war, hatte Sam Zemurray Unheil gewittert. Er stellte Edward Bernays, einen Neffen Sigmund Freuds, für die psychologische Kriegsführung gegen die Reformen ein. Bernays war die erste kreative Verbindung von PR-Genie und Spindoktor, wie sie das Weiße Haus fünf Jahrzehnte später für den Irakkrieg zu klonen versuchte. Er brachte seinen Freund Arthur Hays Sulzberger, den Herausgeber der New York Times , dazu, Journalisten nach Guatemala zu schicken, die sich von den Repräsentanten der United Fruit überzeugen ließen, dass dort der Sozialismus ausgebrochen sei. Die Serien des Blattes spornten Newsweek, Time, Zeitungen und Nachrichtenagenturen an, ihrerseits Reporter an die drohende rote Front zu entsenden – die Reisespesen bezahlte United Fruit.

Die United-Fruit-Doktrin

Das US-Außenministerium bereitete derweil Guatemalas Nachbarländer auf alles vor. In der Resolution, die John Foster Dulles auf der Konferenz der Organisation Amerikanischer Staaten in Venezuelas Hauptstadt Caracas durchpaukte, kam zwar Guatemala nicht vor. Denn offiziell blieben die USA und ihre Streitkräfte – deren Waffen und Flugzeuge nur über Strohfirmen in die Diktaturen rund um Guatemala geschafft wurden – aus dem Spiel. Doch was United Fruit suggeriert hatte, führte nun der Staat als neue Variante der Monroe-Doktrin von 1823 aus: Falls ein Land in der westlichen Hemisphäre unter die Herrschaft der "internationalen kommunistischen Bewegung" gerate, so hielt das Dokument von Caracas fest, sei jede andere Nation in der Hemisphäre berechtigt, "angemessene Maßnahmen" zu ergreifen.

Im August 1953 entschieden die Dulles-Brüder, dass die "angemessenen Maßnahmen" unter dem Decknamen "Operation Success" von der CIA geleitet werden sollten. Ihr Chef Allen Dulles sicherte United Fruit zu, wer immer als neuer Präsident Guatemalas eingesetzt werde, stehe unter dem Gebot, niemals in die Besitzstände der Company einzugreifen. Die Wahl fiel auf Carlos Castillo Armas, einen früheren Armeeoffizier im honduranischen Exil. CIA-Leute nannten den schmächtigen, stets wie aus dem Ei gepellten Revolutionsgecken "forsch, aber unfähig". Sie stellten ihm zehn paramilitärische Gruppen mit je zwölf Söldnern zur Seite. Die hatte der CIA-Einsatzleiter Albert Haney unter anderem in Nicaragua auf einer Plantage des begeistert mitwirkenden Diktators Anastasio Somoza ausbilden lassen.

Haney putschte Guatemalas Öffentlichkeit gleichzeitig mit erfundenen Schlagzeilen für die lokale Presse auf: "Arbenz zwingt alle Soldaten in neue Kirche für Stalin-Kult", oder: "Gelandet ist eine Gruppe sowjetischer Kommissare [] unter Führung eines Moskauer Politbüro-Mitgliedes", oder: "Alle 16-jährigen Jungen und Mädchen sollen zu einem Jahr Arbeitsdienst in Speziallagern herangezogen werden." Und schließlich: "Der Präsident hat das Land bereits verlassen. Seine Botschaften verbreitet ein Double vom sowjetischen Geheimdienst."

Propagandachef für den Einmarsch war der Anfang 2007 verstorbene Howard Hunt. Von Florida aus bereitete er Flugblätter, Pamphlete und Zusammenschnitte mit Schreckensreportagen für die rund um Guatemala versteckten Radiosender vor. Jahre später, nachdem er 1961 als CIA-Einsatzleiter in Kubas Schweinebucht ebenso gescheitert war wie 1972 als Einbrecher im Watergate-Hotel im Dienst von US-Präsident Richard Nixon, bekannte Hunt in einem Interview: "Was wir in Guatemala erreichen wollten, war eine Terrorkampagne. Wir wollten Arbenz, aber auch die Soldaten in Angst und Schrecken versetzen – so wie die deutschen Stukas zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in Holland, Belgien und Polen."

Das war kaum übertrieben. Seit die CIA am 18.Juni Castillo Armas den Angriff beginnen ließ, sendete die US-Botschaft in Guatemala-Stadt aus Lautsprechern auf ihrem Dach den Lärm aufsteigender Kampfjets in die Nacht. Der CIA-Sender "Stimme der Befreiung" brachte pausenlos Falschmeldungen über Rebellenkolonnen, die das Land überschwemmten. Tatsächlich verfügte Castillo Armas nur über 400 Söldner, die schon in den ersten Scharmützeln Schlappen erlitten. Als US-Piloten mit Brandbomben auf Munitionsdepots und Öllager nachhalfen, verlor das kleine Land allen Mut. Die Armeeführung nahm mit US-Botschafter John Peurifoy Verhandlungen auf, der siegesstolz in einer Fliegermontur paradierte – ähnlich wie US-Präsident George W. Bush im Mai 2003 bei seinem grotesken Auftritt an Bord des Flugzeugträgers Abraham Lincoln: "Mission accomplished".

Trotz ihrer Sympathie für Arbenz setzten die erpressten Offiziere den Präsidenten am 27. Juni ab. Kurz vor Mitternacht verließ er den Nationalpalast, überquerte allein die 6. Avenue und bat in der mexikanischen Botschaft um Asyl. 17 Jahre später, nach einer verzweifelten Odyssee durch etliche Länder Lateinamerikas und Europas, starb er in Mexiko. 1995 wurde Arbenz’ Leichnam in seine Heimat überführt. Dem Sarg folgten Tausende; es wurde der längste Trauerzug in der Geschichte Guatemalas.

Die United-Fruit-Doktrin

Der US-Putsch und die Diktatur der Marionette Castillo Armas und seiner Nachfolger stürzten das Land in neues Elend. Weit mehr als 200.000 Menschen – Professoren, Studenten, Bauernführer, Priester, Gewerkschafter, Indiofrauen – verloren in dieser Leidensepoche ihr Leben. Für über 90 Prozent der grausamen Taten waren die von US-Spezialisten ausgebildeten Militärs verantwortlich. Ihre Todesschwadronen begingen bis Mitte der achtziger Jahre mehr politische Morde als alle anderen damaligen Militärdiktaturen Lateinamerikas zusammen. Auch danach blieb die Armee Guatemalas die kriminellste militärische Institution der westlichen Welt. Bis heute drückt das arme Land eine der höchsten Mordraten.

Chiquita zahlt 25 Millionen Dollar Entschädigung an Terroropfer

United Fruit hat unter anderem Namen überlebt. Als Chiquita Brands International ist der Global Player mit 25.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 4,5 Milliarden Dollar der größte Bananenhändler der Welt. Ihrer speziellen Unternehmensphilosophie blieb die Company noch lange treu. 1961 stellte sie Schiffe ihrer weißen Flotte für die misslungene CIA-Invasion in der kubanischen Schweinebucht zur Verfügung. 1975 stürzte sich Eli Black, der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, aus dem PanAm-Gebäude in Manhattan: Die Ermittlungen ergaben, dass er den Präsidenten von Honduras, López Arellano, mit 1,25 Millionen Dollar hatte bestechen lassen. 1996/97 gab es wieder Tote, als der Fruchtriese in Honduras mit Militärhilfe brachliegende Bodenflächen räumen ließ, die landlose Bauern besetzt hatten. Im März 2007 schließlich musste Chiquita zugeben, jahrelang Kolumbiens rechtsextreme Paramilitärs unterstützt zu haben. Das Unternehmen erklärte sich bereit, 25 Millionen Dollar Entschädigung zu zahlen. Die Klage von fast 400 Angehörigen kolumbianischer Terroropfer auf 7,86 Milliarden Dollar läuft weiter.

Auch die USA bekamen die Folgen der gewalttätigen Verbindung von Geschäftsinteressen, Sicherheitspolitik und der "unsichtbaren Hand" der CIA schnell zu spüren. Präsident Eisenhower und seine Nachfolger erfuhren schon bald nach dem Putsch, dass Lateinamerikas Bewegungen gegen Armut und Ausbeutung nun unvergleichlich amerikafeindlicher wurden, als es Jacobo Arbenz je gewesen war – fünf Jahre nach dessen Sturz triumphierte Fidel Castro auf Kuba. Die Traumatisierung der Demokratie, die Zerstörung des eigenen Ansehens und des fremden Rechts hat also eine längere Vorgeschichte, als es viele Kommentatoren heute mit dem beschränkten Blick auf die Amtszeit des unseligen George Walker Bush wahrnehmen. Auch diese Bürde wird Präsident Barack Obama zu spüren bekommen.