Am 22. April 1933 trifft der deutsche Diplomat Andor Hencke in Kiew ein, um die Leitung des dortigen Konsulats zu übernehmen. Er hat sich "auch nicht annähernd vorgestellt", was ihn erwartet: "apathische, ausgezehrte, elende Menschen. Viele von ihnen lagen vor Schwäche auf der Straße, und nicht wenige beendeten dort ihr Leben." Auch in einem Garten neben dem Konsulat findet er eines Morgens zwei Tote. Die Menschen haben "sich offenbar mit ihren letzten Kräften dorthin geschleppt".
Im Norden reicht das Hungergebiet bis zur Nordgrenze der Waldsteppenregion. "Nach Süden", kabelt Otto Schiller, Agrarexperte an der deutschen Botschaft in Moskau, im September 1933 nach Berlin, erstrecke es sich "bis in den südlichen Teil des Nordkaukasus, d.h. bis an die Grenzen der autonomen nordkaukasischen Republiken der Bergvölker". Ebenfalls "ein großer Teil von Kasachstan, Teile von Westsibirien und größere Gebiete in den zentralasiatischen Republiken" seien schwer getroffen. Unter der Hand erfahren die Diplomaten, fünf Millionen Menschen seien verhungert, andere sprechen von sieben oder zehn Millionen.