Eine dringende Mitteilung vorweg: Der Autotest in dieser Woche fällt aus. Jener zumindest, in dem der Autor nach Tagen aufmerksamen Fahrens und gewissenhaften Abwägens zu einem Urteil kommt. Diese Schleuder / dieser Wagen / dieser Luftverpester ist ja mitten hineingerollt in die große Autodebatte um Vernunft und Vergnügen, mehr noch: Im Porsche 911 bündelt sie sich. Aber kann man ein Auto, das allein ans Vergnügen appelliert, mit Vernunft beurteilen? Steak mit Tofu vergleichen? Mit Sonnenbrille die Sterne bestaunen?

Kann man nicht. Was man kann, in seiner Ratlosigkeit: Das Urteil drei (Proto) Typen überlassen, die zu einem Porsche sicher mehr zu sagen haben, nämlich dem triebgesteuerten PS-Vollproll, dem Mann in der Midlife Crisis und dem verkopften Öko – dem Es, Ich und Über-Ich in Autodeutschland quasi.

Da steht er also endgeil / raubtierhaft / ein Stück weit monströs auf der Straße mit seinen froschfetten / sinnlichen / protzigen Kotflügeln, alles in krassem / elegantem / dekadentem, außerdem viel zu schmutzempfindlichem Weiß. Hinten gleich vier rattige / armdicke / phallische Auspuffrohre, innen chilliges / echtes / leider echtes Leder, auf dem Tacho voll feiste / herausfordernde / unverantwortliche 330 km/h. Mit der Zündung geht ein krosses / ungeduldiges / präpotentes Zittern durch den Wagen, aus schmalen Lichtschlitzen fällt deluxiges / futuristisches / martialisches LED-Tagfahrlicht, cruisig / entspannt / viel zu hochtourig geht es durch die Stadt (fast merkt man nicht, dass man in einem Porsche sitzt).

Am Straßenrand werden Köpfe gedreht, wer guckt, das sind die cremigen / lebensfrohen / testosterongesteuerten Männer – und die riemigen / einem Abenteuer bestimmt nicht abgeneigten / primitiven Frauen. Auf der Autobahn dann, nach einem Tritt aufs Gas, geht er brontal / sprunghaft / höchst aggressiv nach vorne (man riskiert ein Schleudertrauma ohne Unfall!). Hinten sorgen die 385 PS für fettes / vulkanisches / aufdringliches Brodeln (200! 240! 280! Schluss!). Schon in weiter Ferne springt alles zur Seite, auch pornöse / kräftige / ebenso übermotorisierte BMWs, sogar, wenn man nur mitschwimmt im Verkehr, denn die Hammer-Xenons / diese unverkennbare Silhouette / die gekaufte Ersatzautorität des Porsches wirkt wie eine Bugwelle – wie hardcore / aufregend / arm!

Irgendwann kommt dann eine Nachfrage aus der Buchhaltung. Wegen der mirscheißegalen / dem Fahrspaß angemessenen / horrenden Spritkosten. Und noch nicht einmal ein Autotest sei dabei herausgekommen.

Technische Daten:
Motor: 6-Zylinder, Doppelkupplungsgetriebe
Leistung: 283 kW (385 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 4,5 s
Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h
CO²-Emission: 240 g/km
Durchschnittsverbrauch: 10,2 Liter
Basispreis: 97.490 Euro