Wie wär’s mit einer Wohnung am grünen Stadtrand von Kamenz?" So wirbt die sächsische Wohnungsgenossenschaft Novum für ihre 700 Wohnungen in dem Städtchen bei Dresden. Die Genossenschaft, 1995 aus der Treuhand gegründet, hat mit hohem Aufwand Wohnungen modernisiert, die ehemals der Nationalen Volksarmee (NVA) unterstanden. Die Siedlungen sind gepflegt, der Leerstand beträgt nur rund zehn Prozent. Doch im Oktober hat die Novum Insolvenz angemeldet. Der Grund: Ärger mit den Banken.

Die Kredite für die Modernisierung der NVA-Wohnungen gaben in den 1990er Jahren genossenschaftliche Kreditinstitute: 18 Millionen Euro, zu einem jährlichen Zins von 5,5 Prozent. Eine solide Finanzierung, sollte man meinen. Womit die Novum nicht rechnen konnte: Die Genossen verkauften die Kredite weiter. So veräußerten sie eine Forderung von damals 9,4 Millionen Euro im März 2006 – in einem Portfolio von insgesamt 420 Millionen Euro – an die Deutsche Bank London, die sie wiederum von der Kreditverwaltungsgesellschaft Proceed verwalten lässt. Pech für die Wohnungsgenossenschaft aus Sachsen: Für die Zeit nach 2008 waren keine festen Vereinbarungen über die Zinsen getroffen worden. Proceed nutzte diesen Spielraum und konfrontierte die Novum jüngst mit einer Erhöhung der Zinsen auf 10,5 Prozent, Konditionen, auf die das Genossenschaftsunternehmen nicht einging. Daraufhin stellte Proceed zum 15. Oktober eine Summe von acht Millionen Euro fällig. Zu viel für die Novum.

Für die Mieter im Städtchen Kamenz hat die Insolvenz bisher keine Auswirkungen. Der Dresdner Rechtsanwalt Andrew Seidel ist als Insolvenzverwalter auf der Suche nach einem Investor, der die wirtschaftlich an sich gesunde Genossenschaft rettet. Gelingt dies nicht, müssen die Wohnungen verkauft werden.

Selbst der Bund sagte einen Verkauf ab – zu niedrig sind derzeit die Preise

"Die an Nichtbanken verkauften Kredite sind für die betroffenen Wohnungsunternehmen häufig ein Problem", sagt Lutz Freitag, Präsident des GdW Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Viele Aufkäufer von Krediten haben an langfristigen Geschäften kein Interesse. Wie zuvor schon so mancher Häuslebauer müssen nun auch Wohnungsunternehmen damit rechnen, dass die neuen Gläubiger sich wie professionelle Geldeintreiber verhalten. Einen Überblick über solche Risiken für seine Mitgliedsunternehmen hat der GdW nicht. Nur die Hoffnung, dass die Aufklärungsarbeit der vergangenen Jahre Früchte getragen hat. "Wir haben von den Banken Erklärungen verlangt, dass sie Kredite nicht weiterverkaufen, und haben diese Institute dann für unsere Mitglieder in einer Positivliste zusammengestellt", sagt Freitag.

Novum ist das erste genossenschaftliche Wohnungsunternehmen, das durch die Finanzkrise in Schieflage gerät. Verbandspräsident Lutz Freitag glaubt, dass dies auch ein Einzelfall bleiben wird. "Wir haben die Mitglieder in den vergangenen Jahren intensiv beraten, ihre Kredite in der Phase niedriger Zinsen über möglichst lange Zeiträume zu finanzieren und die Fälligkeiten zu streuen", sagt Freitag. Die meisten GdW-Mitgliedsunternehmen hätten deshalb gegenwärtig keine kurzfristigen Kredite und stünden so aktuell nicht vor teuer gewordenen Umschuldungen. Die Finanzkrise stelle daher keine große Gefahr dar. Im Gegenteil. "Die Wohnungswirtschaft ist ein konjunkturstabilisierender Faktor", sagt Freitag.

Der Verband, zu dessen Mitgliedern viele Wohnungsgenossenschaften zählen, aber auch gewerbliche Wohnungsunternehmen wie die Deutsche Annington, legt Wert auf nachhaltige Geschäftsmodelle. Hier wird nicht mit Wohnungen spekuliert, sie werden bewirtschaftet. "Wir gehören zu den wenigen Branchen, bei denen ein stetiger Cashflow gesichert ist, weil die Wohnungsunternehmen durch die Mieten einen ständigen Mittelzufluss verzeichnen können", betont Freitag. Die GdW-Unternehmen planen gar, ihre Investitionen auszuweiten, insbesondere Ausgaben für Wärmedämmung und moderne Heizsysteme zu tätigen.