Er war Fernmeldehandwerker, Landesminister, Preussag-Manager, Wahlkampfberater von Johannes Rau, Nelson Mandela und Gerhard Schröder, Kanzleramtsminister und Balkanbeauftragter der EU. Seit 2002 ist er Verlagsmanager bei der WAZ-Gruppe, einem der größten Medienkonzerne der Republik. Wir treffen uns an einem nieseligen Tag im Frühherbst, die Finanz- und die Zeitungskrise sind noch nicht offen ausgebrochen, sie sind ein Raunen im Hintergrund.

Bodo Hombach ist ein Meister darin, Nähe herzustellen, ohne plump zu kumpeln, und zugleich die Ahnung zu wecken, dass hinter der fast femininen Liebenswürdigkeit dieses mächtigen Mannes eine patenartige Härte stecken kann. Der 1,93-Meter-Mann wird gerne als "schwergewichtig" beschrieben, er hat etwas Sultanhaftes an sich. Geschichten erzählen kann er übrigens auch wie ein Orientale, amüsant und prägnant zugleich, und nicht immer ist klar, was daran schmückendes Beiwerk ist, was karge Fakten.

Den Eingang zu seinem Haus in Mülheim muss man kennen, der Name steht nicht an der Türe. Nein, es ist nicht das Haus, das ihn seinen Job als Kanzleramtsminister unter Gerhard Schröder gekostet hat. Das hat er schon lange nicht mehr. Hombach habe es mithilfe illegaler Zuwendungen durch den Veba-Konzern gebaut, hieß es Ende der neunziger Jahre, der Prozess zog sich über Jahre und Instanzen bis zum Bundesgerichtshof, der kürzlich zu dem Urteil kam, dass die Vorwürfe nicht haltbar seien – späte Genugtuung für Hombach, auch wenn die Öffentlichkeit das kaum mitbekommen hat.

Das neue Haus will Hombach vor der Öffentlichkeit beschützen, damit es ihn beschützen kann. Er möchte eigentlich gar nicht, dass es in dem Spaziergang vorkommt, es soll nur als Treffpunkt dienen. Den Spaziergang wollte Hombach auch nicht. Über aktuelle Politik äußere er sich grundsätzlich nicht mehr öffentlich, sagt er. Wegen Waldorf und Statler, der Nörgler aus der Muppet Show. "Ich hab mir vorgenommen: In diese alberne Rolle willst du nie." Irgendwann, zwischen mehreren Telefonaten und abgesagten Terminen, findet sich doch ein Thema: Medien und Politik – aber kein Wort zu Müntefering und Beck und alldem. Versprochen.

Der Fotograf verspätet sich, weshalb das Gespräch in Hombachs Privatbüro beginnt, einem riesigen Raum, in dem sich neben einem Großflachbildschirm ein erstaunliches Sammelsurium aus Statuen, Schatullen, Geschenken und Andenken aus der ganzen Welt findet, mehr Märchenbasar als Arbeitszimmer. Damit es wenigstens ein Spaziergang für die Augen wird, ziehen wir um auf die Terrasse mit Panoramablick über die Ruhr. Gleich davor am Ufer liegt der Leinpfad, rechts die Mendener Brücke, über die die älteste Industriestraße Deutschlands führt, wie Hombach erzählt. "Wir sind hier wirklich im Herzen des Ruhrgebiets", sagt er und zeigt nach links, wo Kettwig liegt, Sitz der Ruhrbarone, die Villa Hügel ist nicht weit. Hier entstanden die ersten Zechen, es waren auch die ersten Zechen, die geschlossen wurden, als der Niedergang des Ruhrgebiets begann, einst Herzkammer der Sozialdemokratie.

Hier in Mülheim kam Hombach vor 56 Jahren zur Welt, als Frühgeburt, notgetauft, "damit ich nicht der Erbsünde anheimfalle". Als die Mutter wach wurde, war der Sohn schon katholisch. Seine evangelische Familie trug es mit Fassung, er fand es großartig, "weil ich Kommunion und Konfirmation feiern konnte".

Medien und Politik also, da kennt Hombach sich aus. Als Wahlkampfmanager hat er die Medien benutzt, "auch Gegner skandalisiert und viel Böses getan". Als Politiker war er selbst Gegenstand von Berichterstattung, als WAZ-Manager ist er Herr über ein Zeitungsimperium, das er gerade kräftig durchschüttelt: 30 Millionen Euro will die Geschäftsführung einsparen, eigenständige Redaktionen sollen zusammengelegt werden. Das verrät er bei unserem Termin noch nicht, wohl aber, wie er sich die Zukunft der Zeitungen vorstellt, von denen sich derzeit, in der Finanzkrise, viele wieder um ihr Überleben sorgen.