Wenn es zutrifft, dass Muße und Langeweile die Zutaten sind, die der Erfindungsgeist dringend braucht, dann kann einem der Kater Josef gleich weiterhelfen. Der hat die Ruhe weg. Beim Aufschlagen des Buchs tritt augenblicks Verlangsamung ein. Erst mal auf die Couch legen. Möglichst in ein fuffiges Kissen. Möglichst von früh bis spät. Nur ganz selten mal runterwölpern.

So drückt sich jedenfalls Franziska Biermann aus, die Hamburger Autorin und Illustratorin des Faulen Katers Josef, die (erkennbar erfahrungssatt) von einem Hauskater berichtet, der tagein, tagaus nur mit schläfrigem Nichtstun beschäftigt zu sein scheint, überaus beschäftigt sogar. Denn was wäre das sonst als Nichtstun: Aufwachen. Liegen. Körperpflege. Essen. Verdauungsschläfchen. Gehirnentspannung und Meditation. Gymnastik. Bildungsprogramm. Schlafen. Und dann wieder von vorn (zwischendurch nur mal kurz von der Couch runterwölpern, aufs Klo, in den Garten).

"Um nicht unnötig Kräfte zu verschwenden, erledigt der faule Kater Josef all diese Tätigkeiten ausnahmslos von seiner heiß geliebten Couch aus", heißt es, und im Layout der Buchstaben ist heiß geliebten Couch im Text stark gefettet gedruckt, so wie sich auf fast jeder Seite der Text um eine solche Fettung herum gruppiert, die wie der Kater auf der Couch eine Art Mulde in die Seite zu drücken scheint, in die sich was absenkt.

Man würde beim Lesen vielleicht bald vor Gemütlichkeit gähnen, zumal an dunklen Winternachmittagen, an denen nicht nur dem Kater Josef die Augen zufallen wollen, aber dann kommt natürlich, nach ein paar Seiten, der gesammelten Muße doch etwas dazwischen, das den Kater wie den Leser aufschrecken lässt, eine Art Ruhestörung. Und in Biermanns Illustrationen, die gern, leicht überzeichnend, ins Groteske spielen, schimmert plötzlich der pure Biedersinn alternder Leute hervor, die nicht gestört werden wollen, gar nicht fuffig, sondern muffig, und schon merkt man: Man hat hier nebenbei auch ein Buch über das Altern in der Hand, der Kater ist auch so ein Alter.

Aber er kommt noch einmal richtig in Gang, auf jeder Seite sind plötzlich lauter gefettete Buchstabenmulden zu sehen, eine Verkettung von Absurditäten lässt einen die Couch völlig vergessen, und der Kater geht erkennbar verjüngt aus der Unruhe hervor. Wichtig allerdings bei all der Katerei: Ruhe und Grazie bewahren! Ein gelassenes Buch, trotzdem schräg und schrill, und nichts von alledem wäre der Fall, wollte man nicht auch im alternden Kater den jungen sehen, der er war. Und bleibt. Elisabeth von Thadden