Cowboys sind kernige Kerle und heißen Bill oder Jack. Wenn sie nicht Lasso schwingend auf ihrem Pferd durch die Prärie reiten, sich dramatische Kämpfe gegen im Hinterhalt lauernde Indianer liefern oder mit Colts in die Luft ballern, sitzen sie am Lagerfeuer, trinken Kaffee aus Blechbechern und entlocken ihrer Mundharmonika schwermütige, Glück suchende Töne in Moll.

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hat Cowboy Klaus das Glück gefunden: Mit dem Schwein Lisa und der seiltanzenden Kuh Rosi lebt er auf seiner Farm "Kleines Glück", schnitzt kleine Holzfiguren, geht im Taucheranzug einkaufen und schläft in einem richtigen Bett. Das alles wissen wir aus dem ersten Band Cowboy Klaus und sein Schwein Lisa, der im vergangenen Herbst in der Erstlesereihe des jungen Berliner Tulipan Verlags erschienen ist.

Diese Erstlesebücher sind in drei Stufen eingeteilt, fein abgestimmt auf die mit der Zeit wachsenden Lesefähigkeiten der Schulanfänger: Eine gut lesbare große Schrift gehört ebenso dazu wie eine Textmenge, die lesenlernende Kinder herausfordert, aber nicht überfordert, unterstützt von Illustrationen, die von der Lesestufe A für die Anfänger bis hin zur Lesestufe C für Zweit- und Drittklässler gegenüber dem Text peu à peu zurückgenommen werden.

Auch im zweiten Band der Reihe, Cowboy Klaus und das pupsende Pony, greift das Berliner Künstlerpaar Eva Muszynski und Karsten Teich das Klischee vom heldenhaften Wildwestleben auf, um es zu brechen und in die wundervoll schräge Welt ihres Antihelden, des Cowboys Klaus, zu verwandeln.

Während Klaus sich im ersten Band noch keinerlei Gedanken darüber gemacht hat, ob er wirklich ein richtiger Cowboy ist, wünscht er sich im zweiten einen Sattel. Wie bestellt taucht erfreulicherweise ein herrenloses Pony auf. Auch wenn dieses Pferdchen unfassbar stinkende Pupse absondert. Das leider widerspenstige Pony ist aber keineswegs ein herrenloses Tier, sondern gehört dem Indianer BitteRechtFreundlich. Klaus muss, um sich seinen heißen Wunsch zu erfüllen, Indianer werden, nicht blutsbrüderisch, sondern selbstverständlich auf kläusisch liebenswert komische Weise.

Text wie Bilder sind schnörkellos: Mit ungewöhnlichen Perspektiven, überzogenen Proportionen und harten Außenlinien erscheinen die Illustrationen grafisch klar. Dennoch wirken sie warm und freundlich, was nicht zuletzt daran liegt, dass Illustrator Karsten Teich zur Kolorierung Buntstift und Aquarellfarben verwendet hat. Die mit dem Stift weich konturierten Flächen werden nicht am Rechner mit Farbe gefüllt, sondern entstehen durch zart übereinandergelegte Aquarellschichten, die den Zeichnungen Bewegung, Leben und sehr viel Witz verleihen. Die Geschichten vom Cowboy Klaus – ein gefundenes Glück für alle Leseanfänger. Isabelle Erler