Auf himmelblau glänzendem Hintergrund steht in knallroten Lettern die knappe Frage: Schmeckt’s? Darunter ein von einer Gabel aufgespießter Globus, den die unterschiedlichsten Lebensmittel wie kleine Satelliten umkreisen: Dosengerichte, Obst und Gemüse, Wurst und Käse, Fisch und Huhn.

So bunt und vielfältig wie das Angebot auf dem Cover sind auch die 17 Kapitel dieses Buches übers Essen. Die beiden Autoren Sabine Jaeger und Hermann Schulz bringen uns informativ-unterhaltsam eine Menge Wissen um Nahrungsmittel und Ernährung bei: wie viele Stücke Würfelzucker sich in einer Tüte Gummibärchen verstecken; dass es in Deutschland über 1000 Apfelsorten gibt; warum es unsinnig ist, Pflanzen anzubauen, um "Bio-Diesel" herzustellen; was Vitaminmangel mit Columbus zu tun hat; welche Risiken die Gentechnik birgt.

Und die Autoren raten uns, was wir essen sollen, um gesund und fit zu sein. Dass dabei biologisch hochwertige Produkte ganz oben stehen, versteht sich fast von selbst. Kurze, im Text verstreute Rezepte machen Appetit und Lust aufs Nachkochen. Wer neugierig geworden ist, kann in der Mitte des Buches in einem kleinen "Lexikon der Lebensmittel" stöbern, sich überall über die launigen Zeichnungen von Jörg Mühle freuen und darüber hinaus Lesetipps finden.

Sabine Jaeger und Hermann Schulz sind viel gereist und haben einen Schatz an Anekdoten mitgebracht, wie die vom ägyptischen König Faruk I., der täglich 36 (!) Flaschen Pepsi-Cola trank. Oder die Geschichte von einem Straßenjungen aus Nicaragua, der sich möglichst bei teuren Restaurants an den Zaun stellt, um Nahrungsreste zu bekommen, denn seine Großmutter hat ihm beigebracht: Satt sein ist gut, aber nicht alles. Auf die Qualität kommt es an.

So beiläufig die Frage "Schmeckt’s?" klingen mag, den Autoren geht es um weit mehr. Das zeigt das Kapitel Eine kleine Kriminalgeschichte des Essens, die ganz harmlos beginnt. Weil den Europäern vom Hühnchen nur das Brustfleisch gut schmeckt, bleiben jede Menge Hühnerreste übrig. Die werden tiefgefroren und profitabel zu Dumpingpreisen in afrikanische Länder exportiert. Und das in Mengen, die um ein Vielfaches größer sind, als die gesetzlich zugelassene Quote es erlaubt.

22000 Tonnen Hühnerreste landen so pro Jahr in Kamerun. Was für die Menschen dort bedeutet: Immer mehr afrikanische Hühnerzüchter können ihre Tiere nicht mehr verkaufen, müssen ihre kleinen Betriebe dichtmachen und werden arbeitslos. Die auf den Märkten angebotenen Hühnerreste sind mit Salmonellen verseucht, da im afrikanischen Landesinneren häufig stundenlang der Strom ausfällt und dadurch die Kühlkette unterbrochen ist. Die Folge: Die Menschen erkranken oder sterben. "Kein Wunder", erzählen die Autoren, "dass in Kamerun die europäischen Lieferungen ›Hähnchen des Todes‹ genannt werden."

So oder ähnlich stellen die Autoren globale Zusammenhänge rund ums Essen dar – engagiert und ohne zu belehren, manchmal sogar mit Humor. Marion Gerhard