Feuer!", schreit ein kräftiger Matrose an Bord eines gewaltigen Raddampfers. Rauchwolken steigen auf, das Schiff schwankt bedrohlich auf dem grünen See. So könnte im Sommer 1841 die Katastrophe auf dem Eriesee an der Grenze zwischen Kanada und den USA begonnen haben. Denn, so weiß man, kurz nachdem der Dampfer den Hafen verlassen hatte, brach Feuer aus. Es gelang nicht, das rettende Ufer noch zu erreichen. Das Schiff sank, und viele ertranken.

Theodor Fontane machte 1886 aus dem Bericht von dem Unglück mit sehr, sehr viel dichterischer Freiheit eine Ballade. Er nannte sie John Maynard nach ihrer Hauptfigur, dem Steuermann. Mit vielen Passagieren, "die Herzen … frei und froh", sticht der Dampfer in See. Als das Feuer gefährlich wächst, gehen Rufe zwischen dem Kapitän und seinem Steuermann hin und her. Und als letzte "Antwort schallt’s / mit ersterbender Stimme: / ›Ja, Herr, ich halt’s!‹"

Im Bilderbuch zeigt Tobias Krejtschi diesen bedeutungsvollen Satz in einer Sprechblase. Generell betont er die Kraft der Dialoge mit hell grundierten Comiczeichen. Die fallen auf, denn er illustriert den Untergang des Schiffes in dunklen, giftig gelben und schlammgrünen Farben. Inmitten des schwarzen Grauens kämpft stoppelbärtig der Steuermann, den Krejtschi unausweichlich nah für den Betrachter in den Vordergrund rückt.

Die bildnerische Umsetzung dieser packenden Szenen zeigt das Können des jungen Künstlers. Das befand auch die Jury, die seine Illustrationen zu John Maynard in einem Wettbewerb der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg zur Veröffentlichung auswählte. Ebenso gelungen, wie Tobias Krejtschi das Ende der Ballade erzählt. Er nimmt die Rettung der Passagiere, den Tod des tapferen Steuermannes in ruhigen Bildern auf, die er mit Ockergelb grundiert. Dieser warme Farbton unterstreicht das menschliche Miteinander, das auch in der Ballade anklingt.

Durch genau diese helle Grundfarbe verbindet er die Illustrationen zu Fontanes Ballade mit einer neu hinzuerfundenen Rahmenhandlung. In ihrer ersten Szene zeigt sie einen alten Mann, der mit einem neugierigen kleinen Mädchen an der Hand am Ufer eines Sees spazieren geht. Es entdeckt auf einem Gedenkstein den Namen John Maynard und lässt sich von dem Mann im blauen Ringelpullover die Geschichte erzählen.

Die folgenden Seiten zeigen, was damals an Bord geschah. Doch auf den Bildern fällt immer wieder ein Junge im blauen Ringelpullover auf. Am Ende des Buches sitzen der alte Mann im blauen Ringelpullover und das Mädchen im roten Kleid mit Streifenschürze am Ufer des Sees. Sie reden miteinander und betrachten alte Fotos. John Maynards Geschichte ist auch die des bärtigen Alten. Ein noch immer fesselnder Stoff – eine spannende Inszenierung auf der Bilderbuchbühne. Elisabeth Hohmeister