Die Hauptperson der Geschichte sei eine rote Fleeceweste, Größe M, ein Acht-Euro-Schnäppchen, schreibt Wolfgang Korn. Das stimmt so nicht. Der Held des Buches ist Korn selbst. Seine Weste ist nur der buchstäbliche rote Faden der Erzählung.

Wir schauen dem Autor, einem Wissenschaftsjournalisten, neugierig über die Schulter und verfolgen mit ihm die Reise dieser Weste. Sie geht von den Erdölfeldern in Dubai über eine Textilfabrik in Bangladesch, ein Kaufhaus und einen Altkleider-Container in Deutschland zu einem Flüchtlingsschiff vor den Kanaren.

Geschickt baut Korn Spannung auf, indem er mit dem Ende beginnt, dem 23. Dezember 2007. An diesem Tag sieht er in einem Fernsehbericht ein Boot, mit dem afrikanische Flüchtlinge vor Teneriffa gestrandet sind. Einer trägt eine rote Fleeceweste, die Korns alter Weste auffällig ähnlich sieht. Er beschließt, den Weg des Kleidungsstücks zurückzuverfolgen. Er kann nicht beweisen, dass es wirklich dieselbe Weste ist, die der Mann trägt, das will er auch gar nicht. "Dies ist eine Geschichte und keine Reportage", stellt er klar. Er will Globalisierung erzählen.

Normalerweise verwirrt es, wenn ständig neue Darsteller – hier die 17-jährige Taslima in einer Textilfabrik in Bangladesch, dort der 18-jährige Adrame bei seiner Flucht aus Afrika – auf der Bühne erscheinen und kurz darauf wieder verschwinden. Doch in diesem Fall funktioniert es, weil Korn die Weste nie aus den Augen verliert. In kleinen Extrakästen findet man überdies Wissenswertes zu Supertankern und dem Welthandelsabkommen.

Am Ende hält Korn ein Plädoyer für faire Regeln auf dem globalen Markt und die Verantwortung der Verbraucher. Es überzeugt – denn er predigt nicht, sondern er spricht von der eigenen Erfahrung: "Ich hätte vorher nachfragen müssen." Silke Schnettler

Wolfgang Korn/Borgit Jansen (Ill.): Die Weltreise einer Fleeceweste

Bloomsbury Verlag, Berlin 2008; 168 S., 14,90 € (ab 12 Jahren)